„Eisenbahnerin mit Herz“

Sie half Elfjährigem bei Irrfahrt: Zugbegleiterin Anja Hoche ausgezeichnet

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Freundlichkeit kommt zurück: Zugchefin Anja Hoche ist für ihren besonderen Einsatz für einen verirrten 11-Jährigen im Zug als „Eisenbahnerin mit Herz“ ausgezeichnet worden.

Kassel/Witzenhausen. Am Revers ihrer Dienstuniform trägt Anja Hoche den kleinen bronzefarbenen Anstecker „Eisenbahnerin mit Herz“. Selbst wer nicht weiß, dass sich dahinter eine Auszeichnung für engagierte Bahnmitarbeiter verbirgt, merkt schnell, dass die 36-jährige Zugbegleiterin eine herzliche und mitreißend gut gelaunte Frau ist.

Im Bahnhof Wilhelmshöhe grüßt sie lachend nach links und rechts die Kollegen und hat für jeden ein nettes Wort. Auch die Fahrgäste empfängt die Zugchefin im Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) mit einem freundlichen Lächeln.

Den Preis beim Wettbewerb der Allianz pro Schiene hat die Witzenhäuserin jetzt für ihre besondere Hilfsbereitschaft gegenüber einem Elfjährigen aus Nörten-Hardenberg (Landkreis Northeim) bekommen, der auf seiner ersten Zugfahrt allein den Ausstieg verpasst hatte.

Robin war auf dem Weg ins Internat in Braunschweig zu lange im Zug sitzen geblieben. Nächster planmäßiger Halt: Berlin. Als sich der verzweifelte Junge an Anja Hoche wendet, nimmt sie die Sache in die Hand: Sie organisiert einen Extra-Halt des ICE in Wolfsburg, sorgt dafür, dass der Junge dort von Kollegen in den nächsten Zug nach Braunschweig gesetzt wird, und informiert das Internat.

„Das war ja noch ein kleiner Stöpsel, den konnte ich doch nicht allein in Berlin herumlaufen lassen“, sagt die 36-Jährige. Später rief sie noch mal im Internat an, um nachzufragen, ob alles gut gegangen ist.

Die Eltern des Jungen schlugen die Bahnmitarbeiterin für die Auszeichnung vor. „Dieser Einsatz war einmalig, wir sind dafür sehr dankbar“, sagte Vater Henning Dullnig. Seit dem Erlebnis hätten sie immer ein gutes Gefühl, wenn ihr Sohn an den Wochenenden mit dem Zug unterwegs sei.

Anja Hoche hat selbst zwar keine Kinder - „aber zwei Hunde“, wirft sie ein und lacht. Verantwortung übernimmt die lebenslustige Frau aus dem Witzenhäuser Ortsteil Ermschwerd nicht nur als Zugchefin: Mit ihren Mischlingen Dancer und Snow ist sie Hundeführerin bei der DRV-Rettungshundestaffel Werra-Meißner.

1993 begann Hoche ihre Ausbildung bei der DB, nach einer Station beim Service-Punkt im Bahnhof ist sie seit 1999 Zugbegleiterin und fährt Tag für Tag von Kassel-Wilhelmshöhe mit ICE, IC und EC in alle Himmelsrichtungen. Der Schichtdienst sei zwar manchmal anstrengend, und bei Verspätungen bekomme man auch den Ärger der Kunden mal zu spüren. Doch ein netter Plausch mit den Fahrgästen und ein „Dankeschön“ beim Ausstieg entschädige sie immer wieder, sagt die Eisenbahnerin.

„Am schönsten an meinen Beruf ist es, wenn man die Kunden glücklich machen kann.“ Über die Auszeichnung freue sie sich daher sehr. „Nicht unbedingt für mich selbst, sondern für die Zugbegleiter generell“, erklärt Anja Hoche. „Viele machen viel mehr als Dienst nach Vorschrift, und mit dem Preis können wir das auch mal nach außen hin zeigen.“

Hintergrund: 300 Vorschläge gingen ein

Den Wettbewerb "Eisenbahner mit Herz" der Allianz pro Schiene gibt es seit 2011. Für den diesjährigen Preis schickten 300 Bahnreisende einen Vorschlag für preisverdächtige Mitarbeiter. Eine Jury wählte neben Anja Hoche (Bronze) einen Zugbegleiter im Regionalverkehr der Nord-West-Bahn (Gold) und einen Zugführer aus Uelzen von der Metronom-Bahn (Gold) als Sieger aus. Die Allianz pro Schiene e. V. ist ein Verkehrsbündnis, das sich für die Förderung des Schienenverkehrs einsetzt. Zu den Mitgliedern zählen Umwelt- und Fahrgastverbände, Gewerkschaften sowie Verkehrs- und Automobilclubs. Unterstützt wird das Bündnis nach eigenen Angaben von mehr als 100 Unternehmen der Bahnbranche.

Von Katja Rudolph

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