Telefonseelsorge hat ihr Team ergänzt - nächstes Jahr neue Lehrgänge

Zuhören ist das Wichtigste

Helga

Kassel. Geld verdienen ist nicht alles, man sollte auch etwas für andere tun. Das hat sich der Germanist und Journalist Gerald B. vor einem Jahr überlegt, als ihm eine Freundin von der Telefonseelsorge erzählte. „Die hat diese ehrenamtliche Arbeit in rosigen Farben geschildert, erzählt der junge Mann, der wegen seiner ebenfalls anonymen Kunden nicht seinen richtigen Namen nennen will. Auch weil er seinen Freiwilligendienst „nicht an die große Glocke hängen“ will, wie er sagt.

Nach einem Jahr Ausbildung und einigen Nächten Telefondienst ist er stolz auf seine Arbeit, aber auch ernüchtert, wie hart der Job ist. „Da war eine Medizinstudentin, die hat ohne Punkt und Komma geredet, konnte ihre Probleme aber nicht benennen. Die hat mich an die Grenze meiner Leistungskraft gebracht“, erzählt der Journalist.

Ehe- oder Suchtprobleme, Mobbing in der Schule, die Angst vor Einsamkeit, psychische Erkrankung oder gar Selbstmordgedanken: Für die ehrenamtliche Arbeit bei der Kasseler Telefonseelsorge, bei der allein vergangenes Jahr rund um die Uhr 20 000 Anrufe eingegangen sind, ist nicht jeder geeignet. Zum Infoabend seien 30 Interessenten gekommen, berichtet Helga Thomson, Geschäftsführerin der Telefonseelsorge Nordhessen. Nach 40 Ausbildungsabenden und Wochenendkursen sind 13 überwiegend weibliche Kräfte übrig geblieben, die das bisherige Telefonteam von 75 Freiwilligen unterstützen. „Man muss selbst stabil sein, gut zuhören können und dem Anrufer das Gefühl geben, alles sagen zu können, ohne von mir bewertet zu werden“, erklärt Diana W., gelernte Sozialpädagogin und Mutter eines erwachsenen Sohns, die wie Gerald B. den Auswahltest und die Ausbildung gut bewältigt hat. Nervig seien allerdings die vielen Scherzanrufe, mit denen vor allem Jugendliche gern die Geduld der Seelsorger auf die Probe stellten, sagt sie.

Patentlösungen können die Seelsorger ihren Gesprächspartnern nicht bieten. Sie sei schon zufrieden, wenn sie merke, dass das Gespräch dem anderen gutgetan habe, sagt Diana W.

„Es geht ums Mitdenken und Mitfühlen. Wenn mir das fehlt, wie soll ich dann dem anderen aus dem Loch helfen?“, sagt ihr Kollege.

2012 ist ein weiterer Lehrgang für ehrenamtliche Telefonseelsorger geplant. (pdi)

Info und Kontakt: Helga Thomson, Tel. 0561/282399, www.telefonseelsorge-nordhessen.de

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