Vorläufige Insolvenz von Bio-Catering Marbachshöhe belastet Biobauern

Zulieferer in Bedrängnis

Direktvermarkter in der Krise: Tobias Mann (von links), Gabriele und Michael Oettermann vom Biohof Eschenhof. Archivfoto: nh

Kassel/Wolfhagen. Die Insolvenz von Deutschlands größter Bioküche, der Bio-Catering Marbachshöhe GmbH in Kassel, bleibt nicht ohne Folgen für die Zulieferer: „Meine Konten sind abgeräumt worden“, sagt Michael Oettermann, Chef des Biohofs Eschenhof bei Wolfhagen.

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Das bringt Biobauern wie ihn und viele andere kleine Zulieferer, die sich allerdings nicht öffentlich äußern wollten, nun selber in finanzielle Bedrängnis. „Ohne jede Vorwarnung“ habe der vorläufige Insolvenzverwalter, die Kanzlei Leonhardt, Westhelle & Partner“, sämtliche Lastschriften rückwirkend ab Januar auf einen Schlag zurückgebucht, berichtet Oettermann. Im Klartext: Rechnungen wurden nicht bezahlt. Für das kleine Unternehmen mit zehn Mitarbeitern, das insbesondere Milchprodukte sowie im Sommer Gemüse direkt vermarktet, bedeutet das einen herben Schlag. „Das macht uns handlungsunfähig.“ Der Kasseler Caterer sei seit vielen Jahren sein Hauptabnehmer von Bioprodukten. „Nun muss ich sehen, wie ich das Ganze zwischenfinanziere“, sagt der Landwirt. Oettermanns Konsequenz: Er will sich neue Kunden suchen und nicht mehr an die Bioküche liefern. Zu groß sei der Unterschied in der Firmenphilosophie geworden: Oettermann setzt auf regionale Vermarktung und nicht auf Essensauslieferungen zu Kunden quer durch Deutschland.

Für Hermann Heldberg, Geschäftsführer des Göttinger Bio-Großhandels Naturkost Elkershausen, ist die finanzielle Situation durch die Hoppe-Pleite zwar nicht bedrohlich. Aber das Insolvenzrecht sieht er kritisch. Wenn sogar ohne Deckung des Kontos Geld zurückgebucht werden könne, gerate so mancher kleiner Biobetrieb schnell in eine Schieflage.

Firmengründer Harald Hoppe ist nicht mehr alleiniger Herr im Haus. Seinen 30 Lieferanten - davon ein Drittel aus der unmittelbaren Region - kann er nicht mehr helfen - höchstens noch um Vertrauen werben. Das Sagen hat nun die vorläufige Insolvenzverwalterin Sandra Mitter, die das Unternehmen mit 65 Beschäftigten bei der Sanierung und der Suche nach neuen Investoren begleiten soll. Sollten Zulieferer abspringen, so schade dies dem Biocaterer nicht. „Es gibt fast für jedes Produkt einen Lieferanten - auch im Biobereich“, sagte sie.

Andere Gläubiger betroffen

Grundsätzlich sei es so, dass die vorläufige Insolvenzverwaltung alle aktuellen Warenbestellungen bezahlt. Die Juristin bedauert die Situation der Zulieferer, macht aber andererseits deutlich, dass sie nach Recht und Gesetz handeln müsse. Immerhin seien auch andere Gläubiger wie Krankenkassen, Versicherungen und das Finanzamt von der Rückbuchung der Lastschriften betroffen.

Die Rückforderung sei keine Sanierungsmaßnahme für den Biocaterer, sondern sorge für die Gleichbehandlung der Gläubiger - und das zurückgeforderte Geld fließe in die Insolvenzmasse.

Von Beate Eder

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