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Weil kein Platz ist: Zum Unterricht ins Museum

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Von: Christina Hein

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Schüler gehen zum Unterricht ins Museum für Sepulkralkultur in Kassel: Das Friedrichsgymnasium hat sich diesen Ersatzschulort selber gesucht.
Schüler gehen zum Unterricht ins Museum für Sepulkralkultur: Das Friedrichsgymnasium hat sich diesen Ersatzschulort selber gesucht. Im Schulgebäude ist nicht genügend Platz für alle Schüler. © Swen Pförtner/dpa

Die drei Kasseler Gymnasien Albert-Schweitzer-Schule, Friedrichsgymnasium und Goethe-Gymnasium sind mit großen Raumengpässen ins Schuljahr gestartet. Aus der Not heraus hat das FG nach alternativen Schulorten gesucht und unterrichtet jetzt im Museum für Sepulkralkultur.

Kassel. Aufgrund der abgeschlossenen Umstellung vom verkürzten Abi G8 auf G9 müssen ab diesem Schuljahr in den Gebäuden je ein Jahrgang mehr beschult werden. Dabei bestand schon vorher akute Raumnot.

Als Lösung für die ASS und das FG hat die Stadt Kassel Räume in der zwischen beiden Schulen gelegenen Alten Hauptpost an der Friedrich-Ebert-Straße angemietet, um Schüler dort zu unterrichten. Das Problem: Die Alte Hauptpost konnte zu Beginn des Schuljahrs nicht bezogen werden. Die notwendigen Umbauarbeiten waren noch nicht abgeschlossen. Deshalb müssen ASS und FG weiterhin in beengten Verhältnissen unterrichten.

Hoffnung auf Entspannung gibt es erst zum zweiten Schulhalbjahr, das am 6. Februar beginnt. Kann der Termin gehalten werden? Auf HNA-Nachfrage kam aus dem Rathaus die Antwort: „Es ist weiterhin geplant, dass die Schülerinnen und Schüler zum zweiten Halbjahr in den Ersatzschulort Alte Hauptpost einziehen.“

Wir haben uns umgehört, wie die Schulen in der Zwischenzeit mit der Raumsituation umgehen.

Friedrichsgymnasium

Marietta Geismann, stellvertretende Schulsprecherin  Friedrichsgymnasium Kassel
Marietta Geismann SV FG © Wienecke, Bettina

Als sich abzeichnete, dass die Alte Hauptpost zum Schuljahresbeginn nicht bezugsfertig ist, hat sich der Direktor des Friedrichsgymnasiums, Lothar Schöppner, auf die Suche nach Ersatzräumen gemacht. Fußläufig zum Gymnasium an der Humboldtstraße sollten sie sein und kostenlos zur Verfügung stehen. Schöppner hatte Erfolg. Jetzt findet Mathe- und Reli-Unterricht für FG-Schüler im Sitzungssaal des Sepulkralmuseums statt. Außerdem gehen für einzelne Stunden Klassen in die benachbarte Jacob-Grimm-Schule. „Wir nutzen in der Schule jeden noch so kleinen Raum“, sagt Marietta Geismann, die stellvertretende Schulsprecherin. Eine Folge der Raumnot sei, dass für Oberstufenschüler viel Unterricht nachmittags stattfindet. Grund ist ein zusätzlicher Mangel an Fachräumen. Darstellendes Spiel findet sogar in Räumen der Volkshochschule statt. Da für sie aber die Schule trotzdem schon morgens beginnt, verbringe sie zweimal pro Woche den ganzen Tag bis um 18.30 Uhr in der Schule, so Geismann – allerdings mit Freistunden, in denen sie sich aus Raumnot nicht in der Schule aufhalten kann – außer auf den Stufen im Treppenhaus, wo es kalt sei. „Ich kann mir bald keinen Kaffee mehr leisten, so viele Freistunden verbringe ich im Café“, sagt Marietta Geismann. Sie empfindet die Situation als unzumutbar. „Eigentlich geht das gar nicht.“ Einzig der Unterricht im Sepulkralmuseum sei eine gute Alternative. „Da ist es wenigstens warm und der Raum ist „moderner, als das, was uns die Stadt zur Verfügung stellt.“ Daran, dass sie nächstes Schulhalbjahr in die Alte Hauptpost gehen können, glaubten die Schüler nicht mehr, so Geismann.

Albert-Schweitzer-Schule

Auch an der Albert-Schweitzer-Schule nutze man jeden Winkel und sei sehr eng zusammengerückt, um unterrichten zu können. Vor den Sommerferien hatte Schulleiter Markus Crede in seiner Raumnot sogar unter Einbeziehung von Klassenfahrten und Projekttagen ein zeitliches Umschichtungsmodell inklusive Distanzunterricht in Erwägung gezogen. Das war jedoch bald passé.

Marcus Crede, Leiter ASS Kassel
Marcus Crede Leiter ASS © Hein, Christina

Jetzt werden „in einer Notlösung, die absolut vorübergehend sein muss“, Räume im Schülerforschungszentrum auf dem Schulgelände genutzt. Außerdem gibt es für Oberstufenschüler Unterricht im Wintergarten der Mensa. Es gebe keinerlei Aufenthaltsraum mehr. Hinzukomme, so Crede: „Neben unserer hinlänglich bekannten Raumproblematik in der Schule gibt es ein weiteres großes Problem mit der Bereitstellung von Räumlichkeiten.“ Seit inzwischen über drei Jahren werde die Königstorhalle saniert, wo ASS-Schüler normalerweise Sportunterricht machten. Von immer wieder verschobenen Terminen der Wiedereröffnung sei die Stadt dazu übergegangen, zu sagen: Wir können keinen Fertigstellungstermin nennen. „Für unsere Schülerinnen und Schüler bedeutet dies, dass wir Sportunterricht seit Jahren in den Jahrgängen 5 und 6 auf die Hälfte kürzen und in den höheren Jahrgangsstufen Lerngruppen bis nach Bettenhausen fahren müssen, was völlig ineffektiv ist. Gerade in Zeiten eines großen Nachholbedarfs im sportlichen Bereich nach Corona tut dies doppelt weh.“

Goethe-Gymnasium

Joachim Bollmann, Leiter Goethe-Gymnasium
Joachim Bollmann Leiter Goethe-Gymnasium © Privat

Der Schulleiter des Goethe-Gymnasiums, Joachim Bollmann, sagt zum Raumproblem: „Wir kommen hin.“ Die vier Räume, die in der Schule an der Ysenburgstraße im Sommer frei wurden, weil die Abendschule Kassel ausgezogen ist, sind saniert und bezugsfertig. Es werden vier neue Klassenräume gewonnen. Ein Raum ist mit Ende der Herbstferien auch mit Tischen und Stühlen ausgestattet worden. Auf das Mobiliar für die anderen drei Räume müsse indes noch gewartet werden. Auch wenn man gehofft hatte, dass die Räume während der Ferien eingerichtet werden können, sei das jetzt ein „überschaubares Problem“, so Bollmann.

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