Vermieter beklagt Schaden

Zurück blieb Chaos: Messie vermüllte Wohnung und verschwand

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Der Teppich ist nicht mehr zu sehen: Hausverwalter Karl-Heinz Nepphut in der vermüllten Wohnung des Messies, der inzwischen verschwunden ist.

Kassel. Hausverwalter Karl-Heinz Nepphut ist viel gewohnt. Auch mit so genannten Messies, sprich Mietern, die aufgrund einer seelischen Störung ihre Wohnung nicht in Ordnung halten können, hat er schon Erfahrungen gemacht. Aber so einen Fall wie jetzt in einem Haus im Kasseler Ostring hat er noch nicht erlebt:

Während der säumige Mieter verschwunden ist, sind seine Spuren unübersehbar. Bei 5000 Euro lägen die Kosten für Entrümpelung, Renovierung und zwei nicht bezahlte Mieten.

Für Nepphut trägt der Betreuer des sozial auffälligen Mannes eine Mitschuld. „Ich habe schon bei der Betreuungsbehörde und dem Betreuungsgericht angerufen, niemand fühlt sich zuständig“, sagt der Hausverwalter. Auf HNA-Nachfrage bei dem zuständigen Betreuer Wolfgang Wiese und Roger Müller, Leiter der Kasseler Betreuungsbehörde, stellt sich heraus, dass Nepphut in der Tat mit seinem Problem allein da steht.

Bilder einer Messie-Wohnung

Bilder einer Messie-Wohnung

Betreuer Hände gebunden

Einem Betreuer seien die Hände gebunden, wenn der Betreute sich der Hilfe verschließe, sagt Müller von der Betreuungsbehörde. Der von seiner Behörde vermittelte Berufsbetreuer sei in erster Linie ein gesetzlicher Vertreter und nicht für die Rund-um-Versorgung verantwortlich. Zudem habe er auch kein Zutrittsrecht zur Wohnung des Betreuten. Letzterer müsse selbst entscheiden, ob er Angebote wie Pflegedienst, Haushaltshilfe oder betreutes Wohnen annehme. Zwangsmaßnahmen könne der Betreuer nicht durchsetzen.

Für Nepphut ist das nur wenig Trost. Auf dem Schaden, da ist er sich sicher, werde er sitzen bleiben. Er könne zwar bei Gericht einen Vollstreckungstitel gegen den Schuldner erwirken, aber dies sei sicher aussichtslos, da bei dem Betreffenden wohl „nichts zu holen“ sei.

Erschreckende Einblicke: In dem Unrat soll sich auch Ungeziefer vermehrt haben.

Der Hausverwalter findet es unverständlich, dass es keine Handhabe gegen Messies gebe. Schon vor drei Monaten habe er das Hygieneamt informiert, nachdem tote Hundewelpen in der Wohnung gelegen hatten und sich Ungeziefer breit machte. „Es stank im ganzen Treppenhaus. Die Nachbarn haben sich beschwert“, sagt Nepphut.

Amt schaltete sich ein

Die noch lebenden Hunde sind dem Mieter vom Amt für Tiergesundheit weggenommen worden. Das Problem war damit aber nicht gelöst.

Eine Räumung auf dem Klageweg durchzusetzen ist aufwändig. Diesen Weg musste Nepphut aber nicht mehr gehen, da der Mieter ihm die Schlüssel freiwillig in die Hand drückte und verschwand.

„Und jetzt muss ich mir noch Sorgen machen, dass er mich verklagt, weil ich in seine Wohnung gehe und sein Eigentum entferne“, sagt der Hausverwalter. Einen solchen Fall hatte er erst kürzlich, nachdem er die Wohnung eines anderen Messies räumen ließ. Das Verfahren werde demnächst vor Gericht verhandelt.

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