Stadtverordnete beschließen Integrationskonzept – Sprachförderung steht im Vordergrund

Den Zusammenhalt fördern

Sprachförderung im Kindergarten: In allen städtischen und vielen anderen Betreuungseinrichtungen werden solche Konzepte bereits umgesetzt. Foto:  dpa

Kassel. Die Kasseler Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer jüngsten Sitzung die Umsetzung eines Integrationskonzeptes mit großer Mehrheit beschlossen. Herzstück des Konzeptes, das federführend vom Zukunftsbüro der Stadt erarbeitet wurde, sind die Bereiche Bildung und Sprachförderung.

Oberbürgermeister Bertram Hilgen wies in der Aussprache darauf hin, wie wichtig die Auseinandersetzung mit diesem Thema sei. Denn schon heute habe ein Drittel der Kasseler Einwohner ausländische Wurzeln, bei den jungen Leuten seien dies sogar 50 Prozent. Es gelte, diese Entwicklung positiv zu begleiten und als Chance zu begreifen.

Hauptziele des Konzepts sind es, die Sprachkompetenz der Menschen mit ausländischen Wurzeln deutlich zu verbessern. Angefangen bei den ganz Kleinen, die früh und lange eine Kindertageseinrichtung besuchen sollten. Auch deshalb sollen die Betreuungsplätze für die Kinder unter drei Jahren ausgebaut werden. Zudem soll die Sprachförderung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene verbessert werden.

Ziel ist es auch, die Bereiche Sport und Kultur als Integrationsfaktoren künftig mehr zu nutzen. Und der Anteil von Auszubildenden mit ausländischen Wurzeln soll erhöht werden. Die Stadtverwaltung will hier Vorbild sein. Bereits zwölf Prozent der städtischen Azubis haben einen Migrationshintergrund.

So zieht sich das Konzept durch alle gesellschaftlichen Felder. Es geht um die Verbesserung des Wohnumfeldes und der Gesundheitsvorsorge genauso wie um berufliche Qualifizierung.

Bereits in den zuständigen Ausschüssen habe das Konzept einen breiten Konsens gefunden, bedankte sich Hilgen für eine positive Diskussionskultur. „Dieses positive Klima in der Stadt hat uns manche Diskussion erleichtert, zum Beispiel beim Bau der Moschee in Oberzwehren“, sagte der OB. Und: „Wenn wir die Stadt zusammenhalten wollen, müssen wir miteinander leben, nicht nebeneinander.“

Axel Selbert von der Kasseler Linken bezeichnete das Konzept indes als ein Alibipapier mit Absichtserklärungen in Bezug auf freiwillige Leistungen. „Der Haushaltsvorbehalt wird kommen“, sagte Selbert, dessen Fraktion sich bei der Abstimmung enthielt. Wie auch der Vorsitzende des Ausländerbeirats Kamil Saygin bedauerte Selbert, dass das Kommunale Wahlrecht auch für zugewanderte Einwohner in dem Papier nicht festgeschrieben sei.

„Die Verfassung können wir nicht ändern“, bedauerte Hilgen, dass dies nicht möglich sei. Auch wies er darauf hin, dass beispielsweise die Betreuung der unter Dreijährigen viele Millionen Euro kosten werde. (hei)

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