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Zweite Eishalle in Kassel kommt 2024

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Von: Christina Hein

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Auf dem Sportplatzareal in der Nähe der Damaschkestraße ist der Bau der weiten Eishalle in Kassel vorgesehen.
Hier soll die zweite Eisfläche entstehen: Auf dem Sportplatzareal in der Nähe der Damaschkestraße ist der Bau dort vorgesehen, wo sich derzeit der Sportplatz hinten rechts befindet. © Dieter Schachtschneider/Flugschule Fly Now

Der Ortsbeirat der Südstadt beriet über die Pläne für eine zweite Eisfläche im Stadtteil. Nach einer hitzigen Diskussion stimmten die Mitglieder dem Bebauungsplan mehrheitlich zu.

Kassel. Der Zeitplan für den Bau einer neuen Eissport-Trainingshalle auf dem Kunstrasenplatz Am Sportzentrum, unweit der Eissporthalle am Auestadion, steht: 2023 soll mit dem Bau dieser zweiten Eisfläche für Kassel begonnen werden, 2024 soll er fertiggestellt sein. Jens Möhle von der GWGpro, die den Bau im Auftrag der Stadt Kassel realisieren soll, verwies bei der Präsentation des Bebauungsplans vor den Mitgliedern des Ortsbeirats Südstadt auf steigende Preise und Lieferschwierigkeiten in der Baubranche, die das Tempo notwendig machten.

Erste Pläne für eine solche Sportanlage als Eishockey-Leistungszentrum in Kassel gibt es seit 2017. Inzwischen steht das Vorhaben auch im grün-roten Koalitionsvertrag. Für eine zweite überdachte Eisfläche neben der alten Eissporthalle hatte sich Christian Geselle (SPD) schon starkgemacht, als er noch nicht Oberbürgermeister war. „Wir bauen das Ding“, sagte er damals als Kämmerer und Sportdezernent. Ziel war von Anfang an der Ausbau zu einem Stützpunkt des Deutschen Eishockey-Bundes als Jugendleistungszentrum. Eine Nachfrage der HNA beim Verband, ob die Zusage für eine Aufwertung als Leistungszentrum besteht, konnte gestern nicht beantwortet werden. Als Baukosten war zuletzt ein zweistelliger Millionenbetrag im Gespräch. Vom Landessportbund steht eine Förderung in Höhe von einer Million Euro in Aussicht.

War anfangs von einem Neubau auf dem Parkplatz in Nachbarschaft zur bestehenden Eissporthalle die Rede, um Synergieeffekte zu nutzen wie eine gemeinsame Eismaschine, so sind diese Pläne inzwischen vom Tisch. Die Halle soll in das Sportplatz-Areal gebaut werden. Das Plangebiet südlich der Damaschkestraße umfasst 55 000 Quadratmeter Fläche.

Durch den Standort ergeben sich Fragen, vor allem ökologischer Natur, die in der Ortsbeiratssitzung zur Sprache kamen und die demnächst in den Fachausschüssen thematisiert werden, bevor die Stadtverordneten abstimmen. Der Ortsbeirat Südstadt stimmte den Plänen zu.

„Haben wir nicht dringendere Aufgaben als eine zweite Eissporthalle zu bauen“, fragte Ortsbeiratsmitglied Oliver Claves (Grüne). „Noch dazu, wo der Bau in einer Frischluftschneise entstehen soll.“ Der Standort konterkariere alle Bemühungen, die Folgen des Klimawandels abzufedern. Um „politischen Druck aufzubauen“, hat er eine Online-Petition gestartet.

Nach der Abstimmung am Ende der Sitzung des Ortsbeirats Südstadt stand die Zustimmung zum Bebauungsplan für eine zweite Eisfläche im Stadtteil. Vorausgegangen war eine hitzige Diskussion mit vielen unbeantworteten Fragen.

Petra Gerhold vom Stadtplanungsamt der Stadt Kassel, die die Pläne präsentierte, musste bei vielen Fragen passen. Etwa zum tatsächlichen Bedarf einer solchen Anlage und danach, auf welche Kosten sich der Bau und seine spätere Unterhaltung belaufen. Auch die Frage, ob es eine Zusage des Deutschen Eishockeybundes für einen DEB-Verbandsstützpunkt gibt, blieb unbeantwortet.

Die Entwicklung des Eishockey-Standorts Kassel zu einem Landesleistungszentrum der Sportjugend ist eines der Argumente von Oberbürgermeister Geselle für den Bau der zweiten Eisfläche. „Herr Geselle propagiert die Förderung von Breitensport; das Leistungssportzentrum verdrängt aber den Volkssport Fußball und Co, der dort auf intakten Anlagen praktiziert wird, ohne zeitnahen Ersatz anzubieten“, kritisierte Ortsbeiratsmitglied Oliver Claves (Grüne).

Ausschlaggebendes Argument gegen einen Bau an der Stelle sei aber für ihn, „dass der Bebauungsplan und dessen Umsetzung einen gravierenden Eingriff in die klimatischen und naturräumlichen Gegebenheiten sowie auf die Lebensqualität für die Stadtteilbewohnerinnen und -bewohner“ darstelle. Sprich: Der geplante Bau befindet sich zwar am Rand, doch deutlich in Kassels Kaltluftschneise. Negative Auswirkungen auf die Luftleitbahnen und das Kaltluftentstehungsgebiet seien deshalb die Folge.

Oliver Claves argumentierte dabei mit Zitaten aus dem vorliegenden Bebauungsplan und seinen umfangreichen Stellungnahmen. So würden auch im Klimagutachten entsprechende Zweifel geäußert: Die negativen Auswirkungen stünden im Widerspruch zu dem Bundesnaturschutzgesetz und dem festgeschriebenen Ziel einer klimagerechten Stadtentwicklung, heißt es darin.

Claves verweist darauf, dass in den Stellungnahmen der Ämter und Träger öffentlicher Belange die Auswirkungen auf das Stadtklima durch den Bau ein „sehr kritisch diskutierter Punkt“ sind. So heißt es etwa in der Stellungnahme des Umwelt- und Gartenamts: „Die hohe klimatische Bedeutung der Flächen wird im Umweltbericht zwar erkannt, der theoretische Umgang und die Schlussfolgerungen sind jedoch fragwürdig.“

Auch das Regierungspräsidium äußert Bedenken: Eine hier realisierte Eissporthalle stünde im Widerspruch zum Naturschutzgesetz, wonach „insbesondere Flächen mit günstiger klimatischer Wirkung wie Kaltluftentstehungsgebiete und Luftaustauschbahnen zu schützen und zu erhalten sind“. Die Realisierung der Planung stehe dem von der Stadt Kassel verfolgten Ziel einer klimawandelgerechten Stadtentwicklung entgegen.

Doch es gab auch Zustimmung für das Projekt von den Ortseiratsmitgliedern der SPD und der CDU, die zudem ihren Unmut über die vielen Fragen von Claves äußerten. „Wir wollen den Sportstandort Südstadt erhalten und freuen uns über eine Aufwertung“, sagte Heinz Körner (SPD). Matthias Grund von der CDU verwies auf das Renommee, entstünde hier eine neue Trainingshalle. Dies sei ein „Aushängeschild“ für Kassel.

Bei der Abstimmung stimmten er und die zwei SPD-Mitglieder den Plänen zu, zwei Grüne stimmten dagegen, einer enthielt sich. Damit ergab sich insgesamt eine Zustimmung.

Hintergrund

Im Bebauungsplan für die neue Eissport-Trainingshalle heißt es: „Mit dem Bau (...) erhält Kassel eine zweite Eisfläche; die Voraussetzung dafür ist der Ausbau eines Landesleistungszentrums Nord für die Nachwuchsförderung der Eishockey-Jugend. Die zweite Eisfläche ist als Trainings- und Ausweichfläche erforderlich, um zu gewährleisten, dass der Betrieb des öffentlichen Eislaufes und die Nutzung der Eissporthalle für Veranstaltungen aufrechterhalten bleiben können.“

Das sagt:

Huskies-Geschäftsführer Joe Gibbs: „Für mich ist die zweite Eisfläche in Kassel super wichtig und notwendig. Aber der ideale Standort wäre in meinen Augen weiterhin direkt neben der Eissporthalle. Dafür sprechen gleich mehrere Faktoren: Eismeister, Kabinen, Toiletten, die Nähe zu unseren Profis – all das ist bereits vor Ort oder wäre gegeben. Wir hoffen, dass wir nun bald in die DEL aufsteigen. Eine zweite Eisfläche wäre ein starkes Zugpferd, eine Imageverbesserung für den Eishockeystandort Kassel. Wir haben zuletzt intensiv mit dem Nachwuchs zusammengearbeitet, ihn seit Jahren unterstützt. Er befindet sich auf einem sehr guten Weg. Es gibt auch sehr viele Kinder, die mit dem Eishockey begonnen haben. Natürlich liegt ein großer Fokus darauf, die auch in den kommenden Jahren bestmöglich zu unterstützen und zu fördern.“

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