Arbeitsagentur vermittelte einen Maschinenbau-Ingenieur aus Portugal zu Xperion nach Nordhessen

Zuwanderer helfen Kasselern

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Arbeiten als Ingenieure bei Xperion in Kassel: Alia Pierce und Paulo Guerreiro. Unser Foto zeigt sie neben speziellen Gastanks aus faserverstärktem Verbundstoff.

Kassel. Paulo Guerreiro ist Maschinenbau-Ingenieur. Seit einem Jahr arbeitet der 37-jährige Spezialist für Strömungs-, Luft- und Klimatechnik bei der Kasseler Xperion GmbH, wo er den weltweiten technischen Service für den Hersteller von ultraleichten Gastanks aus faserverstärkten Verbundwerkstoffen verantwortet.

Dass er bei dem Kasseler Mittelständler gelandet ist, ist kein Zufall. Der Portugiese und die „Technologieperle“ im Industriepark haben mithilfe der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit zusammengefunden.

Xperion suchte seinerzeit händeringend einen Fachmann mit Englisch-, vor allem aber Spanisch- und Portugiesischkenntnissen – des boomenden Südamerika-Geschäfts wegen. Und Guerreiro seinerseits suchte einen neuen Job, denn seinen alten hatte er im Zuge der Schulden- und Eurokrise verloren. Die ZAV traf die Vorauswahl. Dabei schaut sie darauf, dass Bewerber und Unternehmen zusammenpassen – nicht nur in fachlicher, sondern auch in menschlicher Hinsicht.

Das Experiment hat sich offenbar gelohnt: „Paulo ist für uns ein Glücksfall“, sagt der Verkaufsleiter Transportsysteme, Hartmut Fehrenbach. Sein neuer Mitarbeiter sei tipptopp ausgebildet und hochmotiviert und habe Berufserfahrung. Auch die Personalreferentin Julia Glöckner ist voll des Lobes. Die Qualifikation sei der eines deutschen Ingenieurs vergleichbar und er habe die richtigen Sprachkenntnisse. „Auf dem deutschen Markt war diese Kombination nicht zu finden“, sagt sie – was der zuständige Mitarbeiter der Bundesagentur, Oliver Kramm vom Arbeitgeber-Service (AGS), bestätigt. In der bundesweiten Jobbörse der Agentur, der größten bundesweit, war kein passender Bewerber zu finden, sodass die ZAV europaweit zu suchen begann – übrigens ein kostenloser Dienst der Agentur.

Paulo entschied sich am Ende für Xperion. Und hat es nicht bereut. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden, und die Arbeit macht Spaß“, sagt er. Gleichwohl: Freundin, Freunde und Familie, das Meer und die Sonne, das landestypische Essen fehlen. Arbeitgeber und Kollegen tun unterdessen alles, damit er sich wohlfühlt. Die Firma stellte einen Deutschlehrer, half bei Wohnungssuche und Behördengängen.

Auch Alia Pierce gehört zu den Fachkräften mit Migrationshintergrund. Die 27-jährige Britin studierte in Karlsruhe Maschinenbau, verbrachte zwei Auslandssemester in den USA und Kanada und ist seit einem guten halben Jahr Prozessingenieurin bei Xperion. Im Juli geht sie nach Ohio, wo die Kasseler derzeit eine Fertigung aufbauen. In Deutschland schätzt sie vor allem das „tolle Ingenieursumfeld“ und die vielfältigen Möglichkeiten dieses Berufsstands hierzulande – anders als im weitgehend deindustrialisierten Heimatland. „Ich arbeite gern hier, es war die richtige Entscheidung“, sagt die junge Frau.

Der AGS ist unter 0800/455 55 20, Fax: 0561 / 701 2938, E-mail: Kassel.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de und die ZAV unter 0228/713 13 13 erreichbar.

Hintergrund: Xperion gehört zur Avanco-Gruppe

Xperion gehört zur Herforder Avanco-Gruppe, einem Spezialisten für Kohle- und Glasfaser-verstärkte Verbundwerkstoffe, aus denen er neben ultraleichten und hochfesten Tanks für Gasfahrzeuge, Druckrohre und komplette Gastransportsysteme auch Komponenten wie Walzen und Profile für die Kunststoff, Folien-, Papier- und Druckindustrie, Sondermaschinenbauer und Robotik fertigt. Außerdem stellt Avanco Spezialkomponenten für Flugzeuge, Hubschrauber, Satellitensysteme und Trägerraketen her. Die familiengeführte Gruppe setzt mit gut 500 Mitarbeitern in sieben Werken etwa100 Millionen Euro im Jahr um.

Die Wurzeln des Kasseler Xperion-Teils reichen bis 1890 zurück, als der spätere Elektro-Konzern AEG in Berlin erstmals elektrisches Isoliermaterial herstellte.

1949 wurde die Produktion nach Kassel verlagert und 1970 in die AEG Isolier- und Kunststoffe GmbH ausgegliedert. Daher stammt auch die Abkürzung AIK. 1993 wurde sie von Roland Runge übernommen. 2002 geriet die Gruppe in eine finanzielle Schieflage und meldete Insolvenz an. (jop)

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