Immer öfter sind Mütter betroffen

Zwangsprostitution in Kassel: Die Täter sind oft skrupellos

Kassel. Viele Prostituierte in Kassel arbeiten unter Zwang. Die Betroffenen werden von ihren Zuhältern teilweise wie Gefangene in Wohnungen gehalten.

Bei der Fachberatung Franka, die sich um Opfer von Menschenhandel kümmert, haben im vergangenen Jahr 38 Frauen Hilfe gesucht. Dieses Jahr waren es bislang 24 Frauen. Immer häufiger werden dabei auch die Kinder der Opfer mitbetreut. 

Die meisten Betroffenen stammen aus Osteuropa. Sie werden von ihren Zuhältern teilweise wie Gefangene in Wohnungen gehalten, in denen sie auch die Freier bedienen müssen.

Die Skrupellosigkeit der Zuhälter kenne dabei kaum Grenzen, sagt Petra Hammer-Scheuerer, Leiterin der Fachberatung beim Diakonischen Werk. Die Frauen würden zu allen erdenklichen Sexpraktiken gezwungen und oft auch geschlagen. „Aber die seelischen Verletzungen sind am größten“, sagt Hammer-Scheuerer. Viele Frauen seien durch das Erlebte schwer traumatisiert oder gar suizidgefährdet und benötigten eine psychiatrische Behandlung.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Opfer, die Kinder zu versorgen haben, stark gestiegen. Von den 38 betroffenen Frauen im vergangenen Jahr hatten neun Kinder, vier waren schwanger. Insgesamt hat die Fachberatung 16 Kinder mit versorgt – vom Säugling bis zum Teenager. Was genau die Kinder von der Situation ihrer Mutter mitbekommen haben, sei nicht immer klar, sagt Petra Hammer-Scheuerer. Man wisse von zwei Fällen, wo die Kinder im Prostitutionsszenario dabei waren: Sie wurden offenbar ins Nebenzimmer geschickt, wenn Freier kamen.

Wie viele der 300 bis 400 Prostituierten in Kassel von Zwangsprostitution betroffen sind, ist unbekannt. Auch bei Kontrollen im Milieu offenbarten sich nur selten betroffene Prostituierte, sagt Ralf Christ, Leiter des K12 der Kasseler Kripo. Häufig würden die Frauen in schnellem Wechsel in andere Städte weiterverschleppt – vermutlich auch, damit sie an einem Ort kein Vertrauen aufbauen können. 

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.