Rechtsanwältin empört über Bewährung

Zwangsprostitution: Milde Strafe für Zuhälter

Kassel. Ein Zuhälterpaar, das eine 20-jährige Frau aus Bulgarien in Kassel mit Gewalt zur Prostitution gezwungen hat, ist vor dem Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt worden. Der 44-jährige Grieche und seine 32-jährige bulgarische Lebensgefährtin sind jetzt wieder auf freiem Fuß.

Sie hatten die Frau in einer Wohnung am Schwanenweg mit Gewalt dazu gebracht, täglich bis zu 20 Freier zu bedienen und steckten die Einnahmen in die eigene Tasche.

Empört über das Urteil ist die Kasseler Rechtsanwältin Gudrun Meyer, die die 20-jährige Bulgarin vertritt. Die Frau habe sämtliche Sexualpraktiken anbieten müssen, teilweise ohne Kondom, und habe sich mit Tripper infiziert. „Im Prinzip hat da eine über 200-fache Vergewaltigung stattgefunden“, sagt Meyer. Das milde Urteil sei nicht nur ein Schlag ins Gesicht für das Opfer, sondern „geradezu eine Einladung an Kriminelle, weiter Frauen auf übelste Weise auszubeuten.“

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Für schwere Fälle von Menschenhandel und Zwangsprostitution sieht das Gesetz Freiheitsstrafen von einem bis zu zehn Jahren vor. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidiger der Angeklagten hatten auf ein Strafmaß von eineinhalb Jahren plädiert. Dieser Forderung folgte der Richter in der Verhandlung am Mittwoch, die nicht öffentlich angekündigt worden war.

Bei Ersttätern wie in diesem Fall sehe das Gesetz vor, im unteren Drittel des Strafrahmens zu bleiben, erklärt Amtgerichtspräsident Erich Fischer. Zudem wirke ein Geständnis strafmildernd. Über Details zu dem Fall könne er nichts sagen, der Richter sei im Urlaub.

Rechtsanwältin Meyer hatte zudem eine Schmerzensgeld-Klage erhoben. Das Gericht sprach dem Opfer 19 300 Euro zu. Ob die 20-Jährige etwas davon bekommen wird sei fraglich, sagt Meyer. Wenn die Täter ins Ausland gingen, seien sie für eine Durchsetzung der Ansprüche nicht greifbar.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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