Zwei Drittel kassiert der Staat

Hohe Steuern auf Sprit – Pendler profitieren trotzdem von Preisen

So billig war Sprit lange nicht. Foto: Koch

Kassel. Die Spritpreise sind so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Davon profitieren vor allem die zahlreichen Pendler in der Region.

Sie müssen täglich teils von weit her zu Unternehmen wie VW, Daimler und SMA fahren. Wer zweimal am Tag berufsbedingt 50 Kilometer mit einem modernen Dieselfahrzeug der Kompaktklasse zurücklegt, spart gegenüber Mitte 2014 gut 30 Euro im Monat. Wer täglich mit einem Mittelklasse-Benziner 60 Kilometer fahren muss, kommt auf einen ähnlichen Betrag.

Wie lange die günstigen Preise halten, ob sie gar noch weiter fallen, kann derzeit mit Bestimmtheit niemand sagen. Aktuell kostet ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent unter 52 Dollar, was knapp 44 Euro sind. Anfang 2012 mussten für dieselbe Menge zeitweise 125 Dollar berappt werden. Ähnlich die Entwicklung bei der US-Sorte WTI. Zurzeit liegt der Preis bei gut 48 Dollar, vor einem halben Jahr kostete sie mehr als das Doppelte. Der Preisunterschied zwischen Brent und WTI liegt an der unterschiedlichen Energiedichte. An diesen beiden Preisen orientieren sich alle anderen Sorten.

„Wo der Rohölpreis in zwei Wochen steht, weiß niemand“, erklärte Rainer Wiek vom unabhängigen Hamburger Marktbeobachter Energie Informationsdienst (EID) auf Anfrage der HNA. Es könnten 40, aber auch 60 Dollar sein.

Wie auch immer: Der größte Profiteur an der Zapfsäule ist immer der Staat, der jährlich Milliarden beim Tanken kassiert. Derzeit sahnt er pro Liter Superbenzin oder E10 gut 85 Cent als Mineralöl-, Mehrwert- und Ölbevorratungssteuer ab, also 70 Prozent vom Endpreis. Beim Diesel ist es wegen der geringeren Mineralölsteuer mit etwa 64 Cent nicht ganz so viel, aber immer noch 60 Prozent.

Preise helfen Spediteuren

Über die günstigen Preise freuen sich neben Autofahrern auch Unternehmer mit großen Fuhrparks. Eugen Jung ist so einer. Der Spediteur hat täglich 15 Lkw im Einsatz. „Die Preise lindern derzeit den Marktdruck, das Problem ist aber, dass die Kunden schon an der Preisschraube zu drehen beginnen“, sagt er. Im Übrigen wisse niemand, wie es weitergehe.

Insgesamt sieht er die Spritpreisentwicklung „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Zum einen dämpften die fallenden Kosten konjunkturelle Sorgen, zum anderen seien sie ein Zeichen der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit. Nicht wenige befürchteten eine dramatische Abwärtsspirale.

Wer wissen will, wo der Sprit am günstigsten ist, sollte unter

www.clevertanken.de,

www.vollertank.de,

www.jetzttanken.de,

www.benzinampel.deoder

www.adac.de nachsehen

Von José Pinto

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