Amtsgericht schickt 51-jährigen Wiederholungstäter für 16 Monate ins Gefängnis

Zwei Einbrüche in dieselbe Praxis

Kassel. Alkohol? „Ich trinke in Maßen.“ Drogen? „Habe ich auch im Griff.“ Der Mann auf der Anklagebank hat in Läden geklaut und ist innerhalb von 24 Stunden zweimal in dieselbe Arztpraxis eingebrochen, um Medikamente zu stehlen. Und er hat schon mehrere Jahre in Entziehungsanstalten verbracht. Ein Suchtproblem aber mag er nicht einräumen. Nur mit dem Geld sei’s halt eng gewesen, sagt der 51-Jährige.

29 Vorstrafen

Wegen fünffachen Diebstahls verurteilt ihn das Kasseler Amtsgericht jetzt zu 16 Monaten Gefängnis. Es wird der 29. Eintrag, der sich seit 1978 im Vorstrafenregister des gelernten Schlossers angesammelt hat.

Erst im Januar war er zuletzt aus der Haft entlassen worden, doch bereits drei Monate später klaute er sich in einem Kasseler Aldi-Markt etwas zu essen. „Anschließend riss er eine Packung Krabben auf und verspeiste diese“, heißt es in der Anklage über diesen ersten der fünf Diebstähle, die der Mann zwischen Mitte April und Mitte Mai beging – ehe er nach dem zweiten Praxiseinbruch in Untersuchungshaft genommen wurde. Jedes Mal war er auf frischer Tat ertappt worden.

Jetzt sitzt er erneut dem Vertreter der Anklagebehörde gegenüber, der ihn nach dem ersten Einbruch noch laufen gelassen hatte. „Sie haben uns enttäuscht“, sagt Staatsanwalt Dr. Weigelt. Auf seinen Antrag hin ordnet das Gericht an, dass der Angeklagte nach seiner nächsten Haftentlassung drei Jahre lang von einem Bewährungshelfer beaufsichtigt wird. „Sie brauchen Kontrolle“, meint Weigelt.

Denn nicht nur das Rückfalltempo des Angeklagten lässt zu wünschen übrig, auch seine Einsicht. Zwar gesteht der 51-Jährige die Diebstähle und sorgt damit dafür, dass das Verfahren statt nach zwei Tagen schon nach zwei Stunden endet. Doch gleichzeitig präsentiert er für fast jede seiner Taten Erklärungen, die ihn in ein besseres Licht rücken sollen.

„Ich hatte andauernd Schwierigkeiten mit der Geldzufuhr vom Jobcenter“, erzählt er. „Was ich deshalb nicht kaufen konnte, habe ich mir anders zu organisieren versucht.“ Warum steckte ihm beim Diebstahl eines Damen-T-Shirts für 3,99 Euro eine täuschend echt aussehende Soft-Air-Pistole im Hosenbund? Die habe er zur Post bringen und seiner elfjährigen Tochter schicken wollen, als Geschenk. Und warum brach er zweimal hintereinander in dieselbe Arztpraxis ein? Weil er seine Tasche gesucht habe, die ihm bei der Polizei nicht zurückgegeben worden sei.

„Da war mein Scheidungsurteil drin, das das Jobcenter sehen wollte.“ Na gut, räumt der Angeklagte schließlich ein, ein paar Rektaltuben eines Schmerzmittels habe er dann doch auch noch eingesteckt. „Weil die Tasche nicht da war.“ Aber diese Schmerzzäpfchen, ergänzt er, seien nichts wert. „Die kriegt man auch auf dem Lutherplatz nicht los.“ (jft)

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