"So habe ich die Leiche nicht hinterlassen"

Zwei Gesichter im Gericht - Prozess zur Bluttat in Vellmar

Der Tatort: Die 54-jährige Frau war auf dem Bürgersteig der Frankfurter Straße in Vellmar gestorben, nachdem sie mit Hammerschlägen und Messerstichen attackiert worden war. Archivfoto:  Pflüger-Scherb

Kassel/Vellmar. Der Stimmungswechsel setzte ein, als sich die Angeklagte am Montagvormittag die Fotos vom Tatort anschaute. Nämlich als sie sah, wie schwer die Verletzungen waren, an denen ihre 54-jährige Nachbarin am Vormittag des 28. Januars dieses Jahres starb.

„Das ist ja verheerend“, sagte sie zu ihrem Anwalt.

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Hatte die 50-jährige Angeklagte zuvor noch mit einem Lächeln im Gesicht geschildert, dass sie ihre Nachbarin umgebracht habe, weil diese mit ihren schamanischen Fähigkeiten sie und ihre Familie bedroht habe, brach die Frau mit den langen Haaren, die nur zur Hälfte blondiert sind, und der fliederfarbenen Jacke in Tränen aus. „Oh, mein Gott“, schluchzte sie theatralisch. „So habe ich die Leiche nicht hinterlassen.“ Obwohl sie auf dem Bürgersteig der Frankfurter Straße in Vellmar zehn bis 13-Mal auf das Opfer eingestochen haben will, habe die Nachbarin kaum geblutet. Eine Verletzung an der Stirn will sie ihr auch nicht zugefügt haben.

Die Angeklagte, die sich in einem Sicherungsverfahren wegen des Verdachts des Totschlags verantworten muss, lieferte aber prompt eine Erklärung. Jemand anders, entweder der Lebensgefährte des Opfers oder dessen Sohn, hätten der 54-Jährigen weitere Verletzungen zugefügt, nachdem sie selbst vom Tatort verschwunden sei. Belege für diese Theorie konnte sie dem Gericht aber nicht geben.

Zuvor hatte die Angeklagte geschildert, wie sie an dem Morgen mit einem Hammer die Terrassentür des Opfers eingeschlagen hatte und in das Haus gelangt sei. Sinn und Zweck sei es gewesen, die Frau zu töten. Sie habe die 54-Jährige im Flur stehen gesehen. Zunächst habe sich die Nachbarin nicht gerührt. „Ich war ganz verwirrt“, sagte die Angeklagte. „Ich dachte, sie würde mehr schreien. Sie hat wohl gedacht, sie überlebt das.“ Die 54-Jährige starb auf dem Bürgersteig der Frankfurter Straße.

Archiv-Video: Bluttat in Vellmar

Die Angeklagte, die sich bei der Tat an der Hand verletzt hatte, war anschließend mit ihrem Auto in Richtung Südhessen gefahren. Zuvor war sie aber von ehemaligen Nachbarn am Tatort gesehen worden. Am Nachmittag wurde sie schließlich in einem Krankenhaus in Offenbach festgenommen. Dort wollte sie sich die Schnittverletzungen an ihren Händen behandeln lassen.  

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Von Ulrike Pflüger-Scherb

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