400 Jahre alter Kirchenschatz

Zwei Jahre Haft: Drogensüchtiger hatte antikes Geschirr verkauft

Trümmer eines Kirchenschatzes: Nachdem das gestohlene Abendmahlsgeschirr im Juni 2014 wieder aufgetaucht war, begutachteten Pfarrer Stefan Nadolny, Kirchenvorsteher Christian Klobuczynski und Kriminalhauptkommissar Markus Holzapfel (von links) die zerschnittenen und zerbeulten Teile. Foto: Rudolph

Kassel. Nach dem Diebstahl des 400 Jahre alten Abendmahlsgeschirrs aus der Neuen Brüderkirche im vergangenen Frühjahr ist jetzt ein Mann wegen Hehlerei verurteilt worden.

Der 46-Jährige aus Kassel muss zwei Jahre in Haft.

Dass er mit dem Diebesgut Handel getrieben hatte, gestand der Angeklagte vor dem Kasseler Amtsgericht. Der Diebstahl konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Weil der Mann drogenabhängig ist, wurde er in die Entziehungsanstalt in Merxhausen eingeliefert. Das wertvolle Abendmahlsgeschirr aus Silber und Gold war im April 2014 aus dem Pfarrhaus der Kirche an der Weserstraße gestohlen worden. Zwei Monate später waren Teile des Diebesguts bei der zufälligen Kontrolle eines Drogenabhängigen am Entenanger wieder aufgetaucht. In seinen Sachen wurden der Brotteller, die Taufkanne und zwei Kelche gefunden – sie waren jedoch völlig zerbeult und teilweise zerschnitten. Der Mann wollte ohne Rücksicht auf den historischen Wert offenbar das Metall zu Geld machen. Er war bei der Kontrolle geflüchtet, wenig später hatte die Polizei jedoch den 46-jährigen Tatverdächtigen ermittelt.

Er musste sich vor wenigen Tagen wegen Diebstahls im besonders schweren Fall oder – falls dies nicht nachweisbar ist – wegen Hehlerei verantworten. Der Angeklagte sagte vor Gericht, er habe den Einbruch nicht begangen, sondern die Ware von drei anderen Personen bekommen, die ihn gebeten hätten, sie weiterzuverkaufen. Von dem Trio habe er nur einen gekannt, dessen Namen er vor Gericht auch preisgab. Die zweijährige Haftstrafe wurde unter Einbeziehung zweier weitere Straftaten verhängt, sagte Amtgerichts-Sprecher Matthias Grund. In das Strafmaß seien ein weiterer schwerer Diebstahl und ein Wohnungseinbruch eingeflossen.

Die Evangelische Kirche will das stark beschädigte Abendmahlsgeschirr restaurieren lassen. Noch ist die Finanzierung allerdings nicht gesichert. Nach wie vor vermisst werden eine prächtig verzierte Abendmahlskanne und ein Oblatenteller. Ob diese bereits zerstört und zu Geld gemacht wurden, ist nicht geklärt. (rud)

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