Bevor Barthel in den Ruhestand geht, tritt Geselle sein Amt an

Zwei Kämmerer für drei Monate

Geschenk für den Nachfolger: Dr. Jürgen Barthel (rechts) überreichte dem neuen Kasseler Kämmerer Christian Geselle ein Buch. Für mehrere Wochen werden sie als Übergang gemeinsam das Finanz- und Sozialdezernat führen. Foto: Koch

Kassel. Fast 25 Jahre lang war Dr. Jürgen Barthel allein für die Finanzen der Stadt Kassel verantwortlich. In den letzten drei Monaten muss er einen Kämmerer neben sich dulden.

Sein Nachfolger Christian Geselle (SPD) beginnt im neuen Amt nämlich schon am 1. Mai.

Barthel (SPD) wird an dieser Doppelspitze wenig auszusetzen haben. Schließlich geht er mit Ablauf seiner Amtszeit am 31. Juli offiziell in den Ruhestand. Seinen Stuhl im Rathaus räumt er schon früher. Wegen noch ausstehenden Resturlaubs ist Barthel faktisch ab Anfang Juni nicht mehr im Dienst.

Bewusst sei die Amtszeit des neuen Kämmerers mit Beginn am 1. Mai ausgeschrieben worden, „um eine nahtlose Übergabe sicherzustellen und damit Herr Geselle als neuer Kämmerer die Haushaltsberatungen für den Haushalt 2016 von Anfang an begleiten kann“, sagte Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich auf Anfrage.

Dass Christian Geselle neuer Kämmerer wird, zeichnete sich früh ab. Schon im Herbst hatte ihn die SPD aufgefordert, sich zu bewerben, und die Grünen signalisierten damals schon Zustimmung. Das hielt 13 weitere Kandidaten nicht davon ab, sich dennoch zu bewerben, wie Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich (SPD) bekannt gab. Namen nannte sie aus Diskretionsgründen nicht. Neben Christian Geselle kamen drei der Bewerber aus der Stadt Kassel, vier aus dem Landkreis und die übrigen sechs aus dem restlichen Bundesgebiet. Neben Geselle hatten sich drei Kandidaten im Wahlvorbereitungsausschuss vorgestellt.

Die frühe Festlegung von SPD und Grünen hätte weitere qualifizierte Bewerbungen vereitelt, kritisierten Redner von CDU, Linken, FDP sowie Demokratie erneuern / Freie Wähler (DeFW). Bernd Häfner (DeFW) nannte das gar „gezieltes Wegmobben geeigneter Kandidaten“. Letztlich stehe so das Parteibuch vor der Qualifikation.

FDP-Fraktionschef Frank Oberbrunner sorgte sich, dass die Zahl der Bewerber stetig zurückgehe, weil sich die frühen Festlegungen herumsprächen. Festmachen wollte er das an der recht mäßigen Qualität der Bewerbungen. Die Kasseler Linken hätten es begrüßt, wenn man den Wechsel dazu genutzt hätte, wieder ein eigenes Sozialdezernat zu schaffen, sagte Fraktionschef Norbert Domes.

SPD und Grüne wiesen die Kritik zurück. Der Kämmerer sei ein politischer Beamter, deswegen sei das Besetzungsverfahren auch politisch, sagte Dr. Günther Schnell, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender. „Das Parteibuch ist nicht das Entscheidende“, sagte Grünen-Fraktionschef Dieter Beig. Zugleich dürfe die Parteizugehörigkeit auch kein Hinderungsgrund sein, sich zu bewerben.

Von Claas Michaelis

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