Zwei Oldies auf großer Fahrt

Opel-Oldtimer brachte Eduard Pogadl aus Espenau viele Preise

Espenau. Eduard Pogadl und sein Auto sind fast gleich alt. Der ehemalige Kfz-Meister wurde im Jahr 1934 geboren, sein Opel 1,2 Liter Typ 12 C im Jahr 1932 gebaut. Vielleicht geben die beiden deshalb ein so schönes Bild ab.

Pogadl liebt seinen Oldtimer, der der älteste Opel im Landkreis ist. Sieben Jahre hat er an ihm geschraubt und gebastelt, bis er im Jahr 2000 wieder in voller Pracht stand. Seither fährt er das 22 PS starke Cabriolet stolz durch die Lande.

Früher sei er mehr unterwegs gewesen, erzählt der 80-Jährige. Die Pokale auf seinem Kaminsims zeugen davon. Pogadl hat an vielen Oldtimertreffs und -touren teilgenommen und zahlreiche Preise für sein Schmuckstück eingeheimst. Heute fährt er nur noch selten aus. Aber wenn, dann hat er einen Heidenspaß. Der Zweisitzer rumpelt und knarzt ein bisschen, nachdem Pogadl den Motor mit der Handkurbel angeschmissen hat. Aber einmal unterwegs, schnurrt der Wagen und Pogadl blüht sichtlich auf. Auffallen tut er mit dem Oldtimer natürlich auch. Die Autofahrer, die ihm entgegenkommen, schauen staunend hinter dem alten Mann und dem Auto her.

Liebe auf den ersten Blick

Im Jahr 1970 hat sein Schwiegervater den Wagen in der ehemaligen DDR in Halberstadt für ihn erstanden. 300 Mark habe er damals dafür bezahlt, erinnert sich Pogadl. Dafür bekam er ein Auto in desaströsem Zustand: „Der Motorblock war vom Frost kaputtgeplatzt. Alles rostete und faulte. Aber es war Liebe auf den ersten Blick.“

Erst nach dem Mauerfall 1989 konnte der Espenauer den Opel zu sich nach Hause holen. Seine Nachbarn hätten ihn damals für verrückt erklärt: „Um Gottes willen, schmeiß das Auto auf den Schrott, haben sie gesagt.“

Die notwendigen Ersatzteile hat Pogadl in ganz Europa besorgt. Geschraubt hat er manchmal bis Mitternacht. Einige Tausend Euro habe er in den Wagen gesteckt, schätzt Pogadl. Ans Aufhören habe er nie gedacht. „Ich bin so“, sagt er, „wenn ich was anfange, dann ziehe ich das auch durch.“ Aber er hatte auch Hilfe bei der Restauration. Kollegen, Freunde und Nachbarn haben immer wieder mit Hand angelegt.

Das Ergebnis strafte alle Zweifler Lügen. Aus dem Schrotthaufen war ein wunderschöner rot-schwarzer Flitzer geworden - ein rollendes Stück Automobilgeschichte.

Pogadl und sein Opel haben schon viel gemeinsam erlebt. Das schweißt zusammen. Aber irgendwann, sagt der Rentner ein wenig traurig, werde er den Wagen, von dem es nur noch wenige Exemplare gibt, wohl verkaufen. „Anwärter gibt es genug“, weiß Autoliebhaber Pogadl.

Modell kostete 2290 Reichsmark

Den Opel 1,2 Liter 12 C Cabriolet baute die Adam Opel AG in Rüsselsheim während des Zeitraums von 1931 bis 1937. Der 1,2-Liter-Motor besitzt vier Zylinder mit 1193 Kubikzentimetern Hubraum und leistet 22 PS. Der Wagen erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 85 Kilometern pro Stunde und verbraucht 8,5 Liter auf 100 Kilometer. 1932 war er ab 2290 Reichsmark zu bekommen. Er war als zweisitziges Cabriolet zunächst mit feststehenden Scheiben lieferbar. Im Laufe der Bauzeit gab es aber auch eine Version mit komplett offenem Innenraum. (nis)

Von Nicole Schippers

Bilder von Eduard Pogadl und seinem Oldtimer

Oldtimer: Eduard Pogadl aus Espenau  mit seinem 1932er Opel

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