Die Stadt bietet ab Pfingstsonntag regelmäßig Gästeführungen mit Segway-Elektrorollern an

Auf zwei Rollen Kassel erleben

Unterwegs auf dem Einachser (von links): HNA-Volontärin Stefanie Dietzel, René Weinert von der Firma Time to Team und Hubert Henselmann, Bereichsleiter Tourismus Kassel Marketing, testen die Stadtführung auf Segways. Foto: Herzog

Kassel. Vier auffällige Elektroroller flitzen über den Steinweg am Friedrichsplatz. Fußgänger staunen, Menschen in Autos und Cafés betrachten die Fahrzeuge, und sie grinsen beim Anblick dieser sogenannten Segways.

Doch nicht nur das Äußere, auch das Fahrgefühl ist gewöhnungsbedürftig. „Das Bremsen müssen wir noch ein bisschen üben“, kommentiert René Weinert von Time to Team, dem Partnerunternehmen von Kassel Marketing, die ersten Fahrversuche. Mit der Firma aus Springe in Niedersachsen bietet die Stadt ab Pfingsten Stadtführungen mit dem Elektroroller an.

Segways sind seit zwei Jahren auf deutschen Straßen erlaubt. Sie folgen der Körperbewegung des Fahrers. Wackelig wie auf Eiern stehen Anfänger auf der Plattform zwischen zwei robusten Rädern mit Gummireifen. Eine Lenkstange, keine Handbremse, kein Gaspedal. Wer sich nach vorne lehnt, treibt den Elektromotor an. Es geht los.

Claudia Panetta-Möller führt 16 Kilometer durch Kassel. Sie ist eine von sieben Segway-Gästeführern, die für Kassel Marketing arbeiten. Seit 17 Jahren führt sie Touristen durch die Stadt – zu Fuß. Jetzt steht sie auf dem Segway und erzählt an den Haltepunkten der Strecke von der Stadtgeschichte. Vom Staatstheater aus verläuft die Tour hinter dem Regierungspräsidium entlang. Ein Blick auf die Fulda. Panetta-Möller streckt den linken Arm aus und biegt ab. Über einen Bordstein, durch Pfützen. Schotter, Pflastersteine, Dellen auf der Fahrbahn. Man muss sich trauen, dann überwinden die Roller solche Hindernisse problemlos.

Bis zu 20 km/h schnell

Dann geht es weiter zur Brüderkirche. Über die Karl-Branner-Brücke in die Unterneustadt, zurück über die Drahtbrücke in Richtung Orangerie. Eine lange, ebene Straße folgt, auf der die Höchstgeschwindigkeit getestet wird. In vier Sekunden von null auf 12,6. Der Tachometer zeigt Meilen pro Stunde an. Also 20 km/h. Wenn man sich zu weit nach vorne beugt, bremst der Roller ab. Und er hält stets das Gleichgewicht. Der Motor surrt, klingt beim Beschleunigen wie eine Brotschneidemaschine.

Claudia Panetta-Möller zeigt die Stadt aus einer anderen Perspektive – Kassel von seiner grünen Seite. Es sind Gegenden, die nicht jeder kennt. Die Gästeführerin rollt vorneweg, entlang des Auedamms nach Niederzwehren, am Grunnelbach vorbei. Sie macht Halt an den Fachwerkhäusern der Märchenfrau Dorothea Viehmann, bevor sie weiterfährt zum Park Schönfeld. Sie passiert das Auestadion und hat schließlich den Weinberg im Visier. „Ich hab’s geschafft“, sagt sie, als sie eine steile Kurve hinauffährt, ohne zu stocken. Es ist eine Frage der Übung, den Körper so zu beugen, dass der Roller den Anstieg bewältigt.

Nach einer Stunde auf dem Segway fühlt sich das Vorwärtskommen einfach an. Nur der Rückwärtsgang ist noch nicht verinnerlicht. Die Beine sind schwer vom vielen Stehen, einige Zehen eingeschlafen. Gut, dass die Gruppe bei vielen Sehenswürdigkeiten anhält und jeder ein paar Schritte laufen kann.

Von Stefanie Dietzel

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