Bewerbung für 2025

Ärger um gleichen Berater für Kulturhauptstadt-Bewerbung: Das sagt ein Nürnberg-Vertreter

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Unterschiedliche Städte, gleicher Berater: Kassel und Nürnberg setzten für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 auf den gleichen Berater für die Kulturkonzeption. Links ein Bild vom Königsplatz, rechts eines vom Tiergärtnertorplatz in Nürnberg.

Kassel/ Nürnberg. Kassel und Nürnberg gehen neben weiteren deutschen Städten ins Rennen um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2025" - und haben den gleichen Berater. Für manche ist das ein Problem.

Die Frankenmetropole und die nordhessische Großstadt setzen dabei auf denselben Berater für die Kulturkonzeption: Dr. Patrick Föhl

Dr. Patrick Föhl.

Nicht nur in Kassel sehen manche dieses zweigleisige Engagement durchaus kritisch. Auch in Nürnberg gibt es darüber Debatten. Wir sprachen darüber mit Philip Zerweck von der Bürgerinitiative "#NUE2025", ein Zusammenschluss von Nürnberger Bürgern, der sich für die Bewerbung einsetzt. Zerweck lebte während des Studiums einige Jahre in Kassel.

Wie beurteilt es die Nürnberger Bürgerinitiative, dass mit Dr. Patrick Föhl, die gleiche Person für die Kulturkonzeption in Nürnberg und Kassel zuständig ist?

Philip Zerweck: Es ist klar, dass solche Spezialisten ihre Leistungen zunächst mehreren Städten anbieten. Zumal es sich um ein einmaliges Ereignis handelt. Aber wir aus der Bürgerinitiative, die mehrheitlich im kommerziellen Umfeld arbeiten, kennen es nur so, dass es bei einer Beauftragung durch einen Kunden eine Ausschlussklausel gibt, damit die Person nicht für mehrere Mitbewerber gleichzeitig tätig sein kann.

Herr Föhl und auch die beteiligten Städte Kassel und Nürnberg sehen in der Doppelbesetzung kein Problem. Wo liegt aus Ihrer Sicht das Problem?

Zerweck: Weil für uns die Kulturkonzeption untrennbarer Bestandteil der Kulturhauptstadtbewerbung ist. Deshalb sollte auch nicht ein und dieselbe Person an zwei Kulturkonzeptionen maßgeblich beteiligt sein. Die Argumentation der Stadtverwaltungen und des Experten können wir in dieser Hinsicht nicht nachvollziehen, die zwischen Kulturkonzeption und Bewerbungsprozess unterscheiden. Die Prozesse müssen integrativ ablaufen.

Kulturberater Föhl sagt von sich, er moderiere den Prozess der Kulturkonzeption lediglich. Die eigentliche Bewerbung würden andere – in Kassel die Kulturmanagerin Pia Leydolt-Fuchs – vorantreiben.

Zerweck: Nach den Erfahrungen aus unserer Initiative sind Patrick Föhl und sein Team keine neutralen Beobachter. Sie bringen ihre Vorstellungen in die Diskussion mit den Kulturschaffenden ein, das ist uns zu dominant. Zudem fehlt Transparenz. Es gibt zwar Ergebnisberichte aus den Workshops, aber weder Methodik – insbesondere im Bereich Auswahl und Evaluation – noch Entscheidungsprozesse werden offengelegt. So tauchen manche Punkte aus den Gesprächsrunden in den Berichten auf, andere aber nicht. Warum dies so ist, bleibt offen. Das ist methodisch sehr schwach.

Besteht bei einem Berater nicht immer die Gefahr, dass er sich selbst zu stark in die Debatte einbringt?

Zerweck: Die Gefahr gibt es natürlich. Wie bei Köchen gibt es welche mit stärkerer oder schwächerer Handschrift. Kulturberater ziehen seit Jahren von Stadt zu Stadt und verkaufen ihre Kulturstrategien. Patrick Föhl hat etwa die Kulturentwicklungsplanung für Düsseldorf mitkonzipiert. Was er dazu in Interviews gesagt hat, klingt ähnlich wie das, was nun in Nürnberg herauszukommen scheint.

Überhaupt ist das Netzwerk der Kulturberater stark verwoben. So ist Pia Leydolt-Fuchs, die in Kassel für die Bewerbung kuratorisch zuständig scheint, mit Ulrich Fuchs verheiratet, der wiederum in der aktuellen Jury für die Europäische Kulturhauptstadt sitzt und zum Beraterstab von Patrick Föhl gehört.

Halten Sie den Berater für Geldverschwendung?

Zerweck: Wir wollen keine Neiddebatte. Eine externe Beratung muss gut bezahlt werden. Wenn man die vielen tausend Stunden zusammenrechnet, die Angestellte und viele Ehrenamtliche aus der Kulturszene für die Erarbeitung der Kulturkonzeption aufbringen, fällt das Honorar für den Berater ohnehin kaum ins Gewicht. Es wäre schade, wenn dieses bürgerschaftliche Engagement durch externe Überformung vergeudet wäre.

Was befürchten Sie?

Zerweck: Ein abschließender Bericht zur Kulturkonzeption steht in Nürnberg noch aus. Was bisher in den Zwischenberichten zu lesen war, ging wenig über Brainstorming und die aktuelle Stimmungslage hinaus. Unser Eindruck ist: Hier scheint jemand vor allem aus dem Bauchgefühl heraus zu agieren. Das erinnert an die dunklen 80er-Jahre in der Unternehmensberatung. Wir würden es jedenfalls bedauern, wenn die spezifischen Chancen und Potenziale der Städte untergehen.

Philip Zerweck ist am 25. Januar, 18 bis 21 Uhr, auf Einladung der Linken in Kassel zu Gast bei der Veranstaltung „Kulturhauptstadt von unten“ auf dem früheren Henschelgelände, Brandaustraße 1-3.

Zur Person: Philip Zerweck

Philip Zerweck

Philip Zerweck (50) engagiert sich im Team der Nürnberger Initiative „#NUE2025“. Der Produktentwickler und -designer kam 1991 nach Kassel und studierte Diverses in den Bereichen Kultur und Innovation mit mehreren Abschlüssen. Anfang 2009 zog er zurück nach Nürnberg. Aktuell promoviert Zerweck im Bereich Designvermittlung.

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