Kasseler Studenten wollen die Versorgung in einem Dorf in Kamerun verbessern

Zwei Stunden bis zum Wasser

Bei der Entnahme von Wasserproben: Emmanuel Touko-Tchiadjeu (Zweiter von rechts) und Thomas Schomberg (rechts). Foto: privat

Kassel. Obwohl er schon fast vier Jahre in Kassel lebt, ließen ihn die Verhältnisse in seiner Heimat nicht los: Der Kameruner Emmanuel Touko-Tchiadjeu studiert in Kassel im fünften Semester Maschinenbau und erinnert sich gut an seine Kindheit, als er für Trinkwasser zwei Stunden laufen musste.

Nun machte sich der 28-Jährige mit zwei weiteren Studenten der Kasseler Regionalgruppe „Ingenieure ohne Grenzen“ nach Westkamerun auf, um in seinem Heimatdorf mit den Arbeiten an einer Wasserversorgung für die 1500 Einwohner zu beginnen. In der Trockenzeit gibt es im Ort Badiangseu im Bezirk Ndé nur zwei fünf Kilometer entfernte Quellen, zu denen meist die Kinder mit Kanistern laufen müssen, um für ihre Familien Wasser zu holen. Zehn Liter täglich müssen für Essen, Trinken und Wäsche reichen.

Wasser macht krank

Aber die Wasserqualität ist schlecht: Die Verunreinigungen lösten bei den Bewohnern Hautausschlag, Durchfall und Typhus aus, erzählt Touko-Tchiadjeu. Deshalb hätten er und seine Kommilitonen Sebastian Raab und Thomas Schomberg auf ihrer zweiwöchigen Erkundungsfahrt Proben entnommen, um zu analysieren, wie sich das Wasser aufbereiten lässt.

Damit die Wasserversorgung des Dorfes langfristig gesichert ist, haben sich die Ingenieure ohne Grenzen eine lokale Partnerorganisation gesucht, die das Projekt zukünftig weiterführt.

Eine Lösung für das Problem könnten neue Quellen und ein entsprechendes Wasserleitungssystem sein, sagt Touko-Tchiadjeu. Neben öffentlichen Entnahmestellen hätten sie den Bewohnern die Möglichkeit vorgeschlagen, dass sie sich einen Anschluss an ihr Haus legen. Die Wartungsarbeiten, so die Vorstellung, könnten durch eine Umlage der Dorfbewohner getragen werden.

Auch wenn noch nicht endgültig feststeht, ob das System umgesetzt werden kann, stießen die Idee und das Abrechnungskonzept im Dorf auf Zustimmung. Ende Januar soll die Entscheidung fallen, damit möglichst schnell mit der technischen Planung für den Bau des 15 000 Euro teuren Projekts begonnen werden kann.

Bei den Arbeiten soll die Bevölkerung eingebunden werden. „Sagt uns wo - und wir fangen an zu graben“, sei die spontane Reaktion eines Dorfbewohners gewesen, erzählt Touko-Tchiadjeu.

Die Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen wurde 2003 in Marburg gegründet. Neben Kassel gibt es inzwischen 27 weitere Regionalgruppen.

Von Bastian Ludwig

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