Situation in Kasseler Altenheimen

Corona-Impfung in Kassel: Unstimmigkeiten bei der Terminvergabe - Heimbewohner sind verärgert

Das Foto zeigt drei Bewohner im Wohnstift am Weinberg in Kassel, Irene Haan von Behm, Helmut Koberg und Ingeborg Wiegand.  Sie möchten vor Ort gegen Corona geimpft werden.
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Die drei Bewohner im Wohnstift am Weinberg in Kassel: Irene Haan von Behm, Helmut Koberg und Ingeborg Wiegand. Sie möchten vor Ort gegen Corona geimpft werden.

Die einen bekommen sie, die anderen nicht: Die Termine für die Corona-Impfung sorgen bei vielen Bewohnern in Seniorenheimen für Verwirrung.

Kassel - Nicht nur das Chaos bei der Terminvergabe für die Corona-Schutzimpfung von über 80-Jährigen sorgt für Aufregung in Kassel. Auch der Ablauf der Impfungen in den Altenheimen führt zu Kritik. Während die stationären Bewohner geimpft werden, gucken die ambulanten Bewohner in die Röhre.

Es kommt einfach keine Ruhe in das Thema Impfen von Senioren: Als Ende vergangenen Jahres mobile Impfteams in Kassel damit begonnen haben, die Bewohner in den Altenheimen zu impfen, war die Erleichterung groß. Endlich ging es los, bei denjenigen, bei denen der Schutz besonders dringend ist – bei den vulnerablen, also verletzlichen Menschen.

Corona in Kassel: Mehrheit der Bewohner in Seniorenheimen möchte eine Impfung

Nach der Bundesimpfverordnung steht die Impfung vor Ort zurzeit nur Menschen zu, die stationär in Seniorenheimen leben. Wie angenehm überrascht war man, dass in Kassel auch den Bewohnern im Betreuten Wohnen das Impfen angeboten wurde. „Eine höchst vernünftige Sache“, sagt der Leiter des Wohnstifts am Weinberg: „Wir haben uns darüber sehr gefreut und sofort erfragt, wer von unseren Bewohnern geimpft werden möchte.“ Es war die große Mehrheit.

Am Mittwoch vergangener Woche gab es die Bestätigung des Impftermins durch die Stadt. Am Freitag, ein Tag vor dem Termin, kam von der Leitung des Impfteams der Rückzieher: Geimpft werden könnten nur die stationären Bewohner. „Was glauben Sie, was das für ein Akt war, den Impfbereiten aus dem Betreuten Wohnen, immerhin 78 von 124 Bewohnern, wieder abzusagen.“ Mithilfe des Bewohnerbeistands wurden alle angerufen und informiert. „Die Menschen waren zum Teil verzweifelt, verwirrt und misstrauisch“, sagt Helmut Koberg vom Bewohnerbeistand: „Einer sagte mir am Telefon: Sie sind nicht der Herr Koberg, ich kenne doch seine Stimme.“

„Wir möchten geimpft werden“ - Corona-Impfung sorgt für Verwirrung bei Heimbewohnern in Kassel

„Wir hatten ja schon alle Formulare ausgefüllt“, sagt Bewohnerin Ingeborg Wiegand (85): „Wir möchten geimpft werden, und zwar hier“, sagt Irene Haan von Behm (85). Wenig später flatterte das Schreiben aus Wiesbaden ins Haus, in dem die über 80-Jährigen aufgefordert wurden, sich für einen Termin im Impfzentrum anzumelden. Da sei die Verwirrung perfekt gewesen, sagt Philippi. „Das darf man mit alten Menschen nicht machen.“

Er verstehe sich als Anwalt aller Bewohner im Wohnstift und habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es von Seiten der Verantwortlichen ein Einsehen gibt und doch noch vor Ort geimpft werden kann. „Wir haben in diesen schwierigen Zeiten genug zu tun. Meine Mitarbeiter arbeiten alle am Anschlag und müssen jetzt auch noch – aus überflüssigem Grund – Bewohner beruhigen.“

Seniorenheime in Kassel: Unstimmigkeiten bei Vorgehensweisen der Corona-Impfung

Andere Alteneinrichtungen hatten es besser erwischt: In der Seniorenresidenz Mundus etwa sind alle Bewohner, die dies wollten, geimpft worden, auch von den 190 im Betreuten Wohnen. Der Termin für das zweite Vakzin stehe bereits fest.

Die Stadt Kassel äußert sich dazu ausweichend. Ein Sprecher bezieht sich auf die Impfverordnung, wonach zuerst medizinisches Personal und stationäre Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen geimpft werden. Bewohnende in Wohnformen wie betreutem Wohnen würden danach durch mobile Teams aufgesucht, wenn in allen stationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen die Impfungen abgeschlossen sind. „Immobile Pflegebedürftige sollen zu gegebener Zeit durch mobile Teams zu Hause geimpft werden, sobald die Verfügbarkeit des Impfstoffes dies zulässt.“ Bislang wurde in 16 von 24 Senioren- und Pflegeeinrichtungen in Kassel geimpft. (Christina Hein)

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