Zweifel am Impf-Zeitplan: Ältere und ihre Angehörigen in Sorge wegen Verzögerungen

Senioren im Kasseler Impfzentrum
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Termine für eine Corona-Schutzimpfung werden nach den Berichten von über 80-Jährigen und deren Angehörigen bereits bis in den Mai hinein vereinbart, obwohl die erste Priorisierungsgruppe eigentlich bereits im März geimpft sein soll. Unser

Spätestens bis Ende des Sommers allen Impfwilligen ein Impfangebot zu machen, ist das erklärte Ziel. Viele Senioren und ihre Angehörigen haben an diesem Zeitplan allerdings Zweifel.

Kassel – Bis Herbst soll laut Kanzlerin und Länderchefs ein ausreichendes Schutzniveau – Stichwort Herdenimmunität – in der Bevölkerung sichergestellt sein. Jedoch wenden sich vermehrt Menschen aus Stadt und Landkreis Kassel an unsere Zeitung, die große Sorge haben, dass dieses Ziel wegen der Verzögerungen nicht erreicht werden kann. Nach dem Zeitplan des Bundes soll die Corona-Schutzimpfung für die höchste Priorisierungsgruppe, allen voran für die über 80-Jährigen, im März abgeschlossen sein. Hochbetagte und deren Angehörige berichten aber, dass sie in den Impfzentren Kassel und Calden bereits Termine für Ende Mai oder gar Anfang Juni erhalten.

So hat ein Niestetaler für seine 86-jährige Mutter den ersten Impftermin am 27. April und den zweiten am 18. Mai. Eine Kaufungerin bekam für ihre Schwiegermutter die erste Impfung Anfang und die zweite Ende Mai. Sie ist entsetzt darüber: „Ich würde jetzt gerne wissen, wann die restliche Bevölkerung drankommt.“

Für die Verteilung des Impfstoffs ist der Bund verantwortlich, für die Vergabe der Impftermine das Land Hessen. Auf die Frage, ob der Zeitplan einzuhalten sei, sagte ein Sprecher des Innenministeriums, Terminvergabe und Impffortschritt seien unmittelbar von dem bereitgestellten Impfstoff abhängig. Sollten die für die nächsten Wochen und Monate in Aussicht gestellten Impfdosen schneller oder in größerer Menge kommen, könnten Angehörige der ersten Priorisierungsgruppe sowie die nachfolgenden Gruppen schneller geimpft werden.

Die Kapazität dafür ist laut Ministerium vorhanden, so könnten in Hessens Impfzentren und durch mobile Impfteams täglich rund 40 000 Menschen versorgt werden. Bei ausreichender Verfügbarkeit von Impfstoff sollte es daher „auf Sicht“ möglich sein, allen impfwilligen Hessen ein Angebot zu machen.

Ein betagtes Ehepaar aus Vellmar meldet da Zweifel an. Weil es einen Impftermin im April habe absagen müssen, sei bei erneuter Anfrage mitgeteilt worden, es seien bereits alle Juni-Termine belegt. Das Paar schreibt: „Wir sind im 82. Lebensjahr und haben viele ernste Vorerkrankungen. Bitte sorgen Sie dafür, dass unser Wunsch nach Impfung vor dem Ableben erfüllt wird.“ (Andreas Hermann)

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