Initiative bemängelt bei Umbauten zu hohe Kostenzuteilung für Radverkehr

Zweifel an Investitionen ins Kasseler Radnetz

Bei der Sanierung sind auch zwei Schutzstreifen für Radfahrer entstanden: Für die Bürgermeister-Brunner-Straße wurden 40 Prozent der Baukosten dem Radverkehr zugeordnet.
+
Bei der Sanierung sind auch zwei Schutzstreifen für Radfahrer entstanden: Für die Bürgermeister-Brunner-Straße wurden 40 Prozent der Baukosten dem Radverkehr zugeordnet.

Die Stadt Kassel hat in ihrem Jahresbericht zur Radverkehrsförderung ihre Investitionen ins Radnetz beziffert. Kritiker halten die Angaben für überhöht.

Kassel – Eigentlich sollte er für Transparenz sorgen, nun sorgt er aber vor allem für Streit. Die Stadt Kassel hatte jüngst ihren ersten Jahresbericht zur Radverkehrsförderung in Kassel vorgelegt. Dort ist auch aufgeführt, welche Investitionen den Radfahrern im vergangenen Jahr zugutegekommen sind. Die Initiative Radentscheid hat aber erhebliche Zweifel an den Zahlen der Stadt Kassel.

Die Kritik

Die Initiative Radentscheid unterstellt der Stadt, sie würde bei Straßenumbauten einen zu großen Teil der Kosten dem Radverkehr anlasten. Als Beispiel wird unter anderem die Bürgermeister-Brunner-Straße genannt. Um den Lärm zu reduzieren, war dort das alte Kopfsteinpflaster durch Asphalt ersetzt worden. Zudem sind zwei Schutzstreifen für Radfahrer entstanden. Es wurden 40 Prozent der Baukosten (insgesamt 320 000 Euro) dem Radverkehr zugerechnet. Für die Initiative Radentscheid ein Unding. Zumal solche Schutzstreifen von Autofahrern befahren werden dürften. Diese sorgten dann für deutlich mehr Abnutzung des Straßenbelags.

Weiteres Beispiel sei die Konrad-Adenauer-Straße, auf der in den Sommerferien ebenfalls Schutzstreifen und zwei Querungshilfen für Fußgänger und Radfahrer entstehen. 30 Prozent der Baukosten von insgesamt 340 000 Euro würden dem Radverkehr zugeschlagen. Ebenfalls 30 Prozent der Kosten werden beim 2022 startenden Neubau der Damaschkebrücke veranschlagt, auf der es bisher keine Radspuren gibt.

Beim zwölf Millionen Euro teuren Umbau der Oberen Königsstraße liege der Kostenanteil bei zehn Prozent. Obwohl dort nur ein paar Fahrradbügel aufgestellt worden seien und das Befahren der Straße tagsüber ohnehin verboten sei.

Es gebe zudem Baumaßnahmen ohne Radverkehrsbezug, bei denen dennoch 10 bis 25 Prozent der Kosten (Beispiel Brunnenstraße) dem Radverkehr zugerechnet werden. Beim Umbau zu Fahrradstraßen seien sogar 75 bis 100 Prozent dem Radverkehr zugeordnet worden, obwohl alle Fahrradstraßen auch für Autos freigegeben seien.

Die Reaktion der Stadt

Die Stadt verweist darauf, dass die Bestimmung des Radverkehrsanteils an den Investitionskosten nicht einfach sei. Der Bericht zur Radverkehrsförderung sei aber „sehr transparent“ gehalten. Dies entspreche dem Auftrag der Stadtverordneten. „Sollten die Stadtverordneten der Meinung sein, dass die Radverkehrsanteile bei einzelnen Maßnahmen erläutert und im Ergebnis bei der Abrechnung angepasst werden sollen, wird sich der Magistrat dieser Aufgabe natürlich stellen“, sagt Verkehrsdezernent Dirk Stochla (SPD).

Soweit bei getrennter Führung möglich, sei eine flächenmäßige Aufteilung der Kosten praktikabel. So seien die Prozentanteile für Bürgermeister-Brunner-Straße, Konrad-Adenauer-Straße und Damaschkebrücke über den Flächenanteil zugeordnet worden. Der Verschleiß der Straße spiele nur eine untergeordnete Rolle, da Straßen mit vergleichsweise geringer Kfz-Belastung nicht aufgrund ihrer Abnutzung kaputt gingen, sondern eher im Laufe der Jahrzehnte durch „Substanzverlust im Straßenaufbau“.

Schwieriger sei eine Kostenzuteilung vor allem im Nebenstraßennetz ohne separate Radverkehrsanlagen. Je nach Betrachtung könne man dort – je nach Berechnungsmodell – zu als gerecht empfundenen Anteilen von vier bis 18 Prozent kommen.

Für die Königsstraße sei der Kostenanteil über den Modal Split (Anteil eines Verkehrsträgers am gesamten Verkehr) festgesetzt worden. Radverkehr außerhalb der Geschäftszeiten und auf den Querungen sei auf der Königsstraße durchaus vorhanden, teilt die Stadt mit. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.