Kritik am Standort Giesewiesen

Kassel bekommt eine zweite Eishalle - doch die Eishockey-Szene ist gespalten

Die Giesewiesen in Kassel mit Sportplätzen für Fußball, Hockey und Lacrosse. Hier soll eine zweite Eisfläche entstehen.
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Hier soll die zweite Eisfläche entstehen: Für sie soll der alte Kunstrasenplatz (links oben) auf den Giesewiesen weichen, den unter anderem die Fußballerinnen des KSV Hessen Kassel und Lacrosse-Spieler nutzen. Das blaue Hockey-Feld und die beiden anderen Sportplätze bleiben bestehen.

Kassel soll eine zweite Eisfläche bekommen - allerdings nicht neben der Eissporthalle, sondern auf den Giesewiesen. Die Entscheidung der Stadtverordneten spaltet die Eishockey-Szene der Stadt.

Kassel – Mit der Entscheidung, die die Zukunft des Kasseler Eishockeys sichern soll, ist Paul Sinizin von der Eishockey-Jugend Kassel (EJK) nicht einverstanden. Am Montag hatten die Stadtverordneten beschlossen, dass die zweite Eisfläche auf den Giesewiesen gebaut werden soll. Nun sagt der Sprecher des EJK-Wirtschaftsrats, dass er sich über die zweite Eisfläche zwar freue, aber bei ihm klingt es nicht wie ein Lob: „Bevor gar keine zweite Eishalle kommt, nehme ich sie auch auf dem Mond.“

Von der Eissporthalle, wo die Kassel Huskies zuhause sind, bis zu den Giesewiesen ist es deutlich kürzer als bis zum Mond. Es sind nur etwa 500 Meter. Trotzdem findet Sinizin: „Die zweite Eisfläche gehört einfach an die Eissporthalle.“ Mit seiner Kritik ist er nicht allein.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Matthias Nölke, der als Stadtverordneter gegen den Antrag gestimmt hatte, befürchtet, „dass die Huskies durch die zweite Halle in Schieflage geraten könnten“, wenn die Eissporthalle unrentabel wird. Und Huskies-Chef Joe Gibbs sagt: „Die Location ist nicht optimal. Die sportlich und wirtschaftlich bessere Option wäre neben der Eissporthalle gewesen.“

Das verwundert nicht. Der Kanadier ist auch Geschäftsführer der Kassel Sport & Entertainment GmbH und Betreiber der Eissporthalle. Er hatte der Stadt einst einen Vorschlag für den Parkplatz neben der Eissporthalle präsentiert. Nach langen Verhandlungen ohne Ergebnis brachte Oberbürgermeister Christian Geselle jedoch die Giesewiesen als Standort ins Spiel.

Für Mirko Düsterdieck von der Kasseler Linken ist dies eine falsche Entscheidung. Damals habe die Stadt nur eine Million Euro zahlen müssen. Nun soll über die städtische Tochtergesellschaft GWG Pro ein 5,1 Millionen Euro teures Projekt gestemmt werden. Zudem werde eine doppelte Infrastruktur benötigt. Selbst der zweite EJK-Vorsitzenden und Huskies-Sportdirektor Manuel Klinge ist „verwundert, dass nun mehr Fragezeichen im Raum stehen als Ausrufezeichen“.

Kritik ruft auch die Passage im verabschiedeten Antrag hervor, laut der der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) zugesagt habe, Kassel als „Verbandsstützpunkt Nachwuchs“ anzuerkennen, falls es eine zweite Eisfläche gibt. DEB-Boss Franz Reindl sagte der HNA, dass dies nur „in Aussicht gestellt worden“ sei – und zwar für die ursprüngliche Planung an der Eissporthalle: „Die neuen Pläne müssen wir uns erst ansehen.“

Geselle warb am Montag indes auch mit anderen Argumenten für seinen Plan. Während es andernorts längst städtische Eishallen gibt, stand in Kassel nur eine private zur Verfügung: „Diese Ungleichheit können wir nun ein bisschen ausgleichen.“ Und Michael von Rüden (CDU) lobte, dass bald auch Eishockeyspieler Sportstätten „entgeltfrei nutzen können. Die Ungleichbehandlung gegenüber anderen Sportlern fällt weg“.

Auch beim KSV Hessen Kassel freut man sich über die Entscheidung, obwohl für die Eisfläche der Kunstrasenplatz weichen wird, den seine Fußballerinnen nutzen und der ohnehin hätte saniert werden müssen. „Wir schränken uns zeitweise gern ein, damit der Traum der Eishockeyspieler in Erfüllung geht“, sagt Präsident Jens Rose. Die Stadt will den Wegfall des E-Platzes „an anderer Stelle im Sportareal Auepark kompensieren“, wie ein Rathaussprecher mitteilt.

Und der EJK-Vorsitzende Matthias Kolodziejczak verweist auf Köln, wo die Eishallen noch weiter auseinander liegen als bald in Kassel. Auch ihm wäre notfalls wohl der Mond als Standort recht: „Wir brauchen einfach mehr Eis, um die Talente zu fördern.“ (Matthias Lohr)

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