Am Freitag, 13. Januar, starb Sven Fehnhann im Alter von 85 Jahren

Zwilling Alf ist jetzt allein

Zwei Leben im Einklang: Alf (links) und Sven Fehnhann waren stets gut gelaunt und zu Späßen aufgelegt - wie auf unserem Archivfoto, das sie beim Neujahrsempfang der Stadt vor einem Jahr zeigt. Sven (rechts) starb jetzt in Kassel. Foto: Fischer/nh

Kassel. Alf Fehnhann ist jetzt allein. Unerwartet verlor er seinen Zwillingsbruder Sven am vergangenen Freitag im Alter von 85 Jahren.

Seit Langem gehören die Fehnhann-Zwillinge zu den bekannten Persönlichkeiten und Sympathieträgern der Stadt. Mit ihrem freundlichen, stets gut gelaunten Wesen zogen sie die Aufmerksamkeit der Menschen an. Es umgab sie ein großer Freundeskreis.

„Sven war wie sein Bruder herzensgut und immer hilfsbereit“, sagt Nachbar Sebastian Leffler: „Er wird uns sehr fehlen.“

Zahlreiche Reportagen und Filme wurden über die unzertrennlichen Brüder aus Kassel produziert. Noch vor einem Jahr standen sie während des Neujahrsempfangs der Stadt Kassel im Blickpunkt. Auch bei der HNA-Film-Matinee im Mai präsentierten sie sich live dem Publikum, als die Filmemacherin Christine Schäfers im Bali-Kino ihren Dokumentarfilm „Alf und Sven“ zeigte.

Gemeinsam hatten die Fehnhanns aus Anlass ihres 85. Geburtstags das Geheimnis ihrer Lebensenergie erklärt: Fröhlichkeit. Jetzt ist einer der Zwillinge tot und lässt seinen Bruder Alf im gemeinsamen Haus in Kirchditmold allein zurück.

Sven, so hatten die Zwillinge stets augenzwinkernd betont, war der Jüngere. Er war ein Zentimeter größer als Alf. Ansonsten habe es eine 99-prozentige Übereinstimmung gegeben, erklärten sie stets mit Stolz. Eine Angewohnheit der ledigen Zwillinge war es, ihre Lebensjahre zu addieren. In zwanzig Jahren wollten sie als ältestes Zwillingspaar der Republik ihre 210 Lebensjahre feiern. Jetzt hat Svens Tod diesen Traum zerstört.

Etwas anderes, als Zwillinge zu sein, wollten sich Alf und Sven, die sich auf der Visitenkarte als „Gebrüder“ bezeichneten, nicht vorstellen. Falls sie wiedergeboren würden, dann – so ihr einvernehmlicher Wunsch – als Zwillinge. Ihre Ausgeglichenheit führten sie weniger auf die harmonische Zweisamkeit als auf die Nestwärme zurück, die sie in ihrem Elternhaus erfahren haben. Alf und Sven wurden am 7. Mai 1926 im lettischen Riga geboren. Der Vater war Kaufmann, die Mutter eine Klavierlehrerin. Außerdem gab es noch einen älteren Bruder, Gunnar, der mit 19 Jahren im Krieg fiel. Die Familie war während der Kriegswirren in alle Winde verstreut – bis auf die Zwillinge. Die blieben zusammengeschweißt: als Soldaten, in russischer Kriegsgefangenschaft, später in ihrer nordhessischen zweiten Heimat Kassel, wo sie bei der Post im Innendienst tätig waren.

Als Geschwisterpaar lebten sie in einer Symbiose, teilten alles, ob Hausputz oder Doppelbett, ihr Hobby Reisen oder Krankheiten. Einmal wurden sie am gleichen Tag am Leistenbruch operiert. Beide litten zuletzt an Herzproblemen. Ein Leben voll vertrauter Rituale wie die abendliche Beratung, welche Kleidung am nächsten Tag getragen wird, ist jetzt aus dem Gleichgewicht geraten.

Der Termin der Beisetzung stand gestern noch nicht fest.

Von Christina Hein

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