In der ARD-Themenwoche ab 4. Oktober im Fernsehen zu sehen

Zwischen Himalaya und Herkules: Gajendra Neupane flüchtete vor 23 Jahren aus Nepal

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Seine Heimat ist Kassel: Gajendra Neupane lebt seit 23 Jahren in Deutschland. Er kam als Flüchtling 1992 aus Nepal über Moskau in die Bundesrepublik. Sieben Jahre dauerte es, bis er endgültig als Flüchtling anerkannt wurde.

Kassel. Sieben Jahre Duldung, keine ständige Arbeit, viel Bürokratie: Der Start in Deutschland war für Gajendra Neupane schwer. Aber nach 23 Jahren hat der Nepalese seine neue Heimat am Fuße des Herkules gefunden: Kassel.

Schwer sei der Schritt gewesen, sagt der Besitzer des Restaurants Himalaya – und damit meint er nicht die Entscheidung, aus seiner alten Heimat 1992 zu fliehen, sondern den Schritt in die Selbstständigkeit. 2007 gründete er das indisch-nepalesische Restaurant oberhalb des Bahnhofs Wilhelmshöhe. Bis dahin war es ein weiter Weg: „Die Tür ging immer ein kleines Stück weiter auf.“ Denn als er kurz nach der Wende in Göttingen ankam, wurde er sieben Jahre lang nur geduldet. Mit diesem Status durfte er kaum arbeiten, musste in einem Flüchtlingsheim wohnen und hätte jeden Tag abgeschoben werden können.

Politisch aktiv und verfolgt

Aus Nepal floh er, weil er politisch aktiv war und verfolgt wurde. „Es war sehr chaotisch damals“, sagt er knapp über die Situation in seiner alten Heimat. Der Grund: Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es in Nepal Auseinandersetzungen zwischen dem regierenden Königshaus und verschiedenen Parteien. 1996 brach ein Bürgerkrieg aus. „Ich habe noch Freunde in Nepal, verfolge die Nachrichten, aber nicht mehr so wie früher“, sagt er heute.

In Nepal hatte Neupane Betriebswirtschaft studiert, in Deutschland war sein Diplom aber nichts wert. „Wir haben uns beide als Ausländer gefühlt“, sagt er über sich und seine Frau mit italienischen Wurzeln, die er in Deutschland kennenlernte und im Jahr 2000 heiratete. Zwei Dinge hätten schließlich geholfen: Deutschkurse und Kontakte zu einer evangelischen Gemeinde in Göttingen. „Irgendwann kam dann der Gedanke: Ich bin nicht anders.“

Im Rückblick glaubt Neupane, dass das viel mit seinem Charakter zu tun hatte: „Ich wollte nie für mich bleiben, wollte immer aktiv sein.“ Mit ausländischen Studenten habe er viel über kulturelle Unterschiede geredet. Das habe geholfen, sich in Deutschland einzuleben, sich anzupassen, sagt der 47-Jährige. Außerdem habe er immer gearbeitet, wenn er die Möglichkeit dazu hatte.

Die aktuelle Flüchtlingsdebatte verfolgt er aktiv und hat Wünsche in Richtung Politik: „Man darf nicht alle Flüchtlinge gleich machen, es gibt viele kulturelle Unterschiede.“ Aufnehmen sollte man so viele wie möglich, solange es geht. Und: „Jeder muss die Möglichkeit haben, sich beweisen zu können“, meint Neupane. Dafür gehört für den Nepalesen vor allem die Möglichkeit zu arbeiten. So könne jeder zeigen, was er leisten könne. Über den Asylantrag sollte dann erst später entschieden werden.

Verglichen mit früher habe sich aber schon viel geändert, meint Neupane. Einen deutschen Pass hat auch er aber erst seit seit einem Jahr und acht Monaten.

Hintergrund: Gajendra Neupane im Fernsehen

Gajendra Neupane floh 1992 aus seinem Heimatland Nepal über Moskau mit dem Zug nach Deutschland. Seit 2000 ist der 47-Jährige verheiratet, seine Frau hat italienische Wurzeln. Sie haben zusammen zwei Töchter, die sieben und acht Jahre alt sind.

Was für Neupane Heimat bedeutet, darüber berichtet der Besitzer des Restaurants Himalaya auch im Fernsehen in der ARD-Themenwoche „Heimat“. Die Folgen werden ab Sonntag, 4. Oktober, ausgestrahlt.

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