Neues Album von Adele: Ein Song für alle Ewigkeit

Als ihr Opa an einem Infarkt starb, war Adele Laurie Blue Adkins aus Tottenham zehn Jahre alt und beschloss in ihrer Trauer, Herzchirurgin zu werden. Das ist der heute mit Abstand erfolgreichsten Sängerin der Welt gelungen, wenn auch anders als geplant.

Adele (27) teilt ihren Herzschmerz mit der Welt – und verarztet die Hörer mit ihren Liedern. Am Freitag erscheint ihr drittes Album „25“.

Keine CD ist in diesem Jahr sehnlicher erwartet worden als „25“. Denn der Vorgänger „21“ mit den Megakrachern „Rolling In The Deep“ oder „Someone Like You“ ist bis dato das Album des Jahrhunderts. 31 Millionen Menschen haben „21“ gekauft, 2011 und 2012 war es das meistverkaufte Album der Welt. Mehr geht nicht. „Ich wurde Zeugin, wie ich Woche für Woche berühmter wurde. Es war nicht mehr real“, so Adele. 2013 verschwand Adele. Sie hatte genug.

Als sie mit dem neuen Album anfing, war die Frage: Würde sie noch einmal ein solch brachial ehrliches Album hinbekommen? Als der Produzent Rick Rubin 2014 einen ersten Entwurf gegenhörte, riet er Adele, noch mal von vorn anzufangen. Unter größter Geheimhaltung traf Adele sich mit Top-Produzenten, und im Sommer war klar: Das wird was bis zum Weihnachtsgeschäft. Und dann kam „Hello“. Dass Adele mit ihrer zart beginnenden und hymnisch endenden Single alle Rekorde bricht? Das war alles andere als eine Überraschung.

Gefühle, die wehtun

Jetzt kommt das ganze Album. Und klar ist: „25“ wird den Markt beherrschen. Denn es ist voll mit diesen wehtuend echten Adele-Gefühlen, die ihre Musik einzigartig und für die Konkurrenz unerreichbar machen. Wobei der Druck, unter dem Adele, ihr Label XL Recordings und alle Beteiligten standen, zu spüren ist.

Wie klingen die Songs? Auf „25“ nimmt eine bislang unbekannte Leichtigkeit Platz. „Send My Love (To Your New Lover“) ist eine sommerliche Nummer, die dem Pop Taylor Swifts recht nahekommt. Auf dem mit Bruno Mars komponierten „All I Ask“ singt sie ungewohnt hoch, zwischen Dion, Houston, Streisand. Die Ballade „Remedy“ wirkt nett, aber einen Hauch austauschbar. „I Miss You“ und „Love In The Dark“ sind traurig.

Echte Höhepunkte gibt es auch. Wenn Adele auf „Mil-lion Years Ago“ den Madonna-Pop der „Frozen“-Ära (das Madonna-Album „Ray Of Light“ sei ihre Blaupause für „25“ gewesen, erklärte Adele) mit Latin-Pop-Elementen und Fado kreuzt, lässt das aufhorchen. Sehr groß, nach Südstaatensoul und Gospel klingend, rauscht „Water Under The Bridge“ aus den Boxen. Richtung Blues geht „River Lea“. Die Nummer hat tüchtig Dampf und Drama, außerdem einen Hauch des Mysteriösen. Als wenn Lana Del Rey eine voluminöse Stimme hätte.

Und ein Song für alle Ewigkeit findet sich auch auf „25“. „Hello“ ist es nicht. Der wahre Klassiker dieses Albums heißt „When We Were Young“ und entstand mit dem Singer- Songwriter Tobias Jesso Jr. Die Nummer ist elegant, schön, erhaben. Sie hat eine Refrainzeile zum Eintätowieren. Spätestens jetzt ist klar: Da kommt niemand ran. Adele Laurie Blue Adkins thront zurecht über allem und allen.

Wertung: fünf von fünf Sternen

Von Steffen Rüth

Rubriklistenbild: © dpa

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