Das Helmut-Schäfer-Quintett setzte im Theaterstübchen dem Jazzmusiker Thelonious Monk ein Denkmal

Ein Abend für den Querdenker

Intelligentes Musizieren: Jörg Damm (Schlagzeug), Helmut Schäfer (Tenorsaxofon), Valerij Geneberg (Trompete), Richard Nagy-Mink (Bass) und Frank Sommerfeld (Gitarre). Foto:  Schachtschneider

Kassel. Eine freudig aufgenommene Lektion erteilte das Helmut-Schäfer-Quintett im gut gefüllten Theaterstübchen. Das heimische Ensemble spielte dort nämlich Stücke von Thelonious Monk (1917-1982). Der war nicht nur berühmt für sein kantiges Klavierspiel, sondern zählte auch zu den großen Komponisten des Jazz. Ein Querdenker, wobei der Begriff zwei Seiten umfasst: das Exzentrische, aber eben auch das Denken.

Beispielsweise lebt Monks „Straight No Chaser“ von der Spannung zwischen dem herkömmlichen Blues-Schema und der unregelmäßig gegliederten Melodie. Ein drei Taktschläge langes Motiv wird gegen das vierschlägige Akkordgerüst gesetzt. Es ist ein Überlisten der Konvention, durchaus vergleichbar mit der Logik und dem Humor eines Haydn oder Beethoven.

Helmut Schäfer (Tenorsaxofon), Valerij Geneberg (Trompete), Frank Sommerfeld (Gitarre), Richard Nagy-Mink (Bass) und der neue Schlagzeuger Jörg Damm waren überzeugende Anwälte für die Musik des schrägen Rationalisten Monk. Umrahmt wurden die Monk-Perlen von jeweils zwei Stücken des Bandleaders Schäfer, die schon mit ihren Titeln ein „monkisches“ Verständnis für die äußerst gewitzte Arbeit am musikalischen Material zeigten.

Eines von Schäfers Stücken hieß „Zehn Blaue“ - ein Blues, nicht im normalen zwölftaktigen Schema, sondern bestehend aus zehn Takten. Auch damit erinnerte der Abend daran, dass Witz, Verstand und Entdeckerfreude im Zusammenschluss mit rhythmischem Swing ihren Stellenwert in der Musik haben. Sentimentalität ist eben nicht alles.

Von Georg Pepl

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