25 Jahre „Komponistinnen und ihr Werk“: Am Freitag feiert die von Christel Nies gegründete Reihe Jubiläum

Abend mit vier Komponistinnen

Betreut ihre Konzertreihe seit 25 Jahren: Christel Nies. Foto: Koch

Kassel. Kaum zu glauben, dass Geld vor Jahren einmal nicht das Problem war: Als sich die Kasseler Musikerin und Konzertveranstalterin Christel Nies (78) im Jahr 1990 nach drei erfolgreichen Kasseler Komponistinnenfestivals entschloss, der Musik von Komponistinnen eine eigene Konzertreihe zu widmen, wurde sie von der Heinrich-Böll-Stiftung großzügig unterstützt.

25 Jahre und mehr als 200 Konzerte später gibt es die Reihe „Komponistinnen und ihr Werk“ immer noch, allerdings muss Christel Nies längst mit wesentlich bescheideneren finanziellen Mitteln auskommen.

Am Freitag wird im Bürgersaal das Jubiläum mit einem Konzert und einer Festveranstaltung gefeiert, und die vier Komponistinnen, deren Musik gespielt wird, geben einen hervorragenden Einblick in das noch immer viel zu wenig bekannte kompositorische Schaffen von Frauen. Besonders erfreut ist Christel Nies darüber, dass dieses Konzert von erstklassigen Kasseler Interpreten, dem Spohr-Ensemble und der Sopranistin Traudl Schmaderer, bestritten wird.

Während Fanny Hensel (1805-1847), die Schwester von Felix Mendelssohn, vielen Musikfreunden bekannt ist, hat sich der Ruhm Emilie Mayers (1812-1883), die zu Lebzeiten als „weiblicher Beethoven“ galt, verflüchtigt. Erst in jüngster Zeit wird ihre Musik wieder entdeckt, beide sind im Konzert am Freitag vertreten. Dass zudem Musik der tschechischen Komponistin Viteˇzslava Karprálová (1915-1940) zu deren 100. Geburtstag gespielt wird und außerdem das Streichquartett von Germaine Tailleferre (1892-1983) erklingt, die als Mitglied der Groupe des Six um Poulenc und Milhaud bekannt wurde, rundet das Jubiläumskonzert ab.

Werke von weit über 100 Komponistinnen hat die deutschlandweit einmalige Konzertreihe bisher zum Klingen gebracht. „Musik existiert nur dann, wenn sie auch gespielt wird“, sagt Christel Nies, die feststellt, dass einige der heute lebenden Komponistinnen wie etwa Sofia Gubaidulina, Adriana Hölszky oder Charlotte Seither durchaus im Musikbetrieb angekommen sind.

Allerdings vor allem in der Kammermusik. Groß besetzte Orchesterwerke und Opern von Frauen finden sich nach wie vor kaum auf den Spielplänen. Auch in Kassel wurde lediglich zum Orchesterjubiläum 2002 einmal ein Auftragswerk von Jacqueline Fontyn aufgeführt. Es gibt also noch viel zu entdecken, und dazu will Christel Nies weiterhin beitragen.

Konzert: Freitag, 19 Uhr, Bürgersaal des Kasseler Rathauses, Eintritt frei, Spenden erbeten.

Von Werner Fritsch

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