Ein Abend voller Liebe: Nneka betört die Fans im Kulturzelt

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Ist auch eine gute Verhüllungskünstlerin: Sängerin Nneka beim Auftritt im Kulturzelt.

Kassel. Eingemummelt in ein großes, buntes Tuch, das nur etwas vom Gesicht und ihrem buschigen Haarschopf erkennen lässt, betritt Nneka am Donnerstag die Bühne des Kasseler Kulturzelts. Fast so, als wollte sie sich erst mal ein bisschen verstecken und die Lage peilen.

Unnötig. Die Besucher im gut gefüllten Rundbau spenden vom ersten Stück an kräftigen Applaus. Das scheint ihr Mut zu machen. Im Verlauf des Konzertes wird sie das Tuch ablegen, sich aus ihrem Kapuzenpulli schälen und dann im weißen T-Shirt mit dem Aufdruck „Africa Is The Future“ vollends Gas geben.

Kritiker feiern die Nigerianerin bereits als legitime Nachfolgerin von Lauryn Hill, der ehemaligen Sängerin der Fugees. Von der HipHop-Combo ließ sich Nneka als Teenager einst inspirieren. Die Musik der 33-Jährigen besteht aus viel Reggae, etwas Pop, ein bisschen Rock sowie einigen Prisen HipHop und Soul. Das Ganze hat eine tolle, mitreißende Ausstrahlung.

Gern lässt Nneka die Stücke zum Ende hin melodramatisch anschwellen und macht ein großes Finale daraus. Mit viel Gefühl, viel Leidenschaft. Das kommt gut. Jedes Stück - ob fröhlicher Reggae oder traurige Balladen - transportiert eine berührend starke, emotionale Kraft.

Die Band, die sie begleitet, hält sich bis auf kleine Soli weitgehend im Hintergrund, spielt aber gut. Nnekas Gesangsstimme gehört nicht unbedingt zu denen, die man schön und voll nennen würde. Eher könnte man sie mit einer respektlosen 14-jährigen Göre verbinden, die zu viel raucht.

Dennoch hat sie eine Riesenausstrahlung und singt mit so viel Charisma, dass sie zum Zuhören geradezu zwingt. Als Mensch zeigt sie sich wie viele afrikanische Künstler sehr betroffen von den Widrigkeiten, „der Ungerechtigkeit und dem Leid“ in ihrer Heimat.

„Nicht für Applaus, sondern für Gott und Afrika stehe ich auf der Bühne“, sagt sie auf dem Boden sitzend. Und „dass es nur das Hier und Jetzt gibt und alle Menschen in diesem Zelt durch Liebe verbunden sind“. Das Publikum findet die zierliche und so liebenswert eigenwillig wirkende Künstlerin, ihre Botschaften und ihre Musik hinreißend. Ohne eine Zugabe lässt man sie nicht von der Bühne.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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