Ungewohnte Inszenierung von „Hoffmanns Erzählungen“ am Staatstheater Darmstadt

Abenteuer in der Fantasie

Alle lauschen gebannt: Joel Montero als Hoffmann. Foto:  Aumüller

Darmstadt. Regisseur John Dew bringt Jacques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ im Staatstheater Darmstadt nicht in üppig ausgestatteten Einzelbildern auf die Bühne, sondern lässt die grundverschiedenen Episoden im Weinkeller spielen, den Heinz Balthes als altväterisch wirkendes fränkisches Gewölbe gestaltete: der Rahmen für die fantastischen Geschichten des angetrunkenen Dichters.

Amüsiert lauschen Stammgäste, Studenten und Theaterbesucher Hoffmanns Liebesabenteuern. Er trägt sie so plastisch und farbig vor, dass sie als Realität empfunden werden und Augen und Ohren gleichermaßen bannen.

Im Bestreben, zu den Anfängen zurückzuführen und die für Koloratursopran geschriebenen vier Frauenrollen von einer einzigen Sängerin darstellen zu lassen, nähert sich Dew der Ursprungsidee des Komponisten, in dessen Kopf sich das Ganze ja abspielt: In Stella, der Sängerin und angebeteten Geliebten des Dichters, finden sich die seinen unerfüllten Wunsch- und Traumvorstellungen ideal entsprechenden Schönen vereinigt: Die willenlose, hübsche Puppe Olympia, die romantische, sensible Künstlerin Antonia und die von allen begehrte Kurtisane Giulietta. Eine ungewohnte, gleichwohl verdienstvolle Sicht des Intendanten auf Offenbachs von fremder Hand vollendetes Werk.

Mit Adreana Kraschewski steht Dew eine Sopranistin zur Verfügung, die dieser Vierfachpartie stimmlich und schauspielerisch bewundernswert gerecht wird. Ihre Interpretation der vom Tod gezeichneten Künstlerin ragt heraus, weil sie berührt und packt. Joel Montero gibt den sich hilflos zwischen Traum und Tag bewegenden, depressiven Poeten mit kraftvollem Tenor und eindrucksstarkem Spiel. So sehr der von Markus Baisch einstudierte Chor die Szene belebt, so bescheiden präsentiert sich das Staatsorchester (Leitung: Elias Grandys). Nach wenig ansprechendem Beginn bringt es doch Farbe und Schwung in die Aufführung, die mit kraftvollem Finale ausklingt.

Wieder am 30.5., 2., 8., 10. Juni, Tel. 06154/2811600, www.staatstheater-darmstadt.de

Von Britta Steiner-Rinneberg

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