Gurlitt-Nachlass soll parallel in Bonn und Bern gezeigt werden – und nicht in Kassel

Abfuhr für die documenta 14

Er trug den Kunstschatz zusammen: Hildebrand Gurlitt.

Bedeutende Werke aus dem Gurlitt-Nachlass sollen im kommenden Winter gleichzeitig in der Bundeskunsthalle in Bonn und im Kunstmuseum Bern ausgestellt werden. Das kündigten die beiden Häuser in einer gemeinsamen Mitteilung an. Dem Museum in Bern hatte der 2014 verstorbene Gurlitt seine Bilder vermacht. Die documenta 14 in Kassel kommt bei der Präsentation der Sammlung offenkundig endgültig nicht zum Zug.

Der künstlerische Leiter der d 14, Adam Szymczyk, hatte mehrfach bekräftigt, die Auseinandersetzung mit der Sammlung des für die Nationalsozialisten tätigen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (1895-1956) werde ein wichtiger Bestandteil seiner Ausstellung sein. Der polnische Kurator wollte den vollständigen Nachlass in der Neuen Galerie in Kassel zeigen.

„Wir planen eine stille, möglichst neutrale Anordnung, als Archiv oder Depot, die erlaubt, das historische Konvolut in seiner Gesamtheit sichtbar zu machen“, erläuterte Szymczyk noch Anfang März in der „Basler Zeitung“, „ohne es als ,Geheimnis‘ zu fetischisieren oder sich auf sogenannte ,Highlights‘ dieses dunklen Erbes zu konzentrieren“. Er sei nicht an einer ersten, spektakulären Ausstellung interessiert, sondern an einer öffentlichen, tief greifenden Debatte mitsamt Vorträgen und Konferenzen. Insofern gebe es keine Konkurrenz zur Bundeskunsthalle.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat Szymczyks Ansinnen mehrmals zurückgewiesen. Als einen Grund nannte die CDU-Politikern das laufende Erbstreitverfahren – das allerdings noch immer vor dem Münchner Oberlandesgericht anhängig ist. Eine Cousine Cornelius Gurlitts, der die etwa 1500 Werke seines Vaters in seiner Schwabinger Wohnung und einem Haus in Salzburg verborgen hatte, hat für die Familie dessen Testament angefochten. Geplant sei, so Grütters, die Werke „in Pietät vor den Biografien der Opfer würdevoll öffentlich auszustellen und damit einen weiteren Beitrag zur Aufklärung zu leisten“.

Die umfangreiche Werkschau in Bonn und Bern solle in einen historisch-wissenschaftlichen Rahmen eingeordnet werden, heißt es nun, und weitere Hinweise zu noch offenen Provenienzen (Nachweisen ihrer Herkunft) ermöglichen. Auch werde an Schicksale der von den Nazis verfolgten Kunstsammler und ihrer Sammlungen erinnert.

Zu den Kuratoren gehört Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle und früherer Leiter der Kunsthalle Fridericianum in Kassel. Es werde einen Beirat zur Vorbereitung und eine gemeinsame Publikation geben. Der Austausch der Ausstellung und weitere Standorte – etwa 2017 im Martin-Gropius-Bau – würden geprüft.

Die documenta 14 wollte sich gestern nicht zur aktuellen Entwicklung äußern. (mit dpa)

Von Mark-Christian von Busse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.