Neu im Kino: „The Kids are Allright“ ist ein präzise beobachtetes Familienporträt mit Starbesetzung

Abnabeln von zwei Übermüttern

Fernsehabend auf dem Sofa: Annette Bening als Nic (links) und Julianne Moore als Jules. Foto:  Universal

Familie ist, wenn die Eltern ihre heranwachsenden Sprösslinge mit ihrer Übervorsicht nerven und wenn beim Abendessen die immergleichen Geschichten von früher aufgetischt werden. Ehe ist, zwischen Erotik-Flash und Routine-Kuscheln abzuwechseln, sich die immergleichen Vorwürfe zu machen - und immergleich angesäuert darauf zu reagieren.

Alles ganz normal also in der Ehe von Jules und Nic und dem Familienleben mit ihren Kindern Laser und Joni. Regisseurin Lisa Cholodenko entwirft in ihrer Komödie „The Kids are Allright“ ein genau beobachtetes Familienporträt. Nur stellt sie unsere stereotypen Geschlechterbilder gehörig auf den Kopf - was sich schon daran zeigt, dass aus allen Namen der Familienmitglieder ihr Geschlecht nicht klar hervorgeht.

Denn Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) sind ein lesbisches Ehepaar in Kalifornien, das mithilfe eines anonymen Samenspenders zwei Kinder bekommen hat. Man lebt politisch korrekt, kauft bio, trinkt teuren Wein und pflegt eine Diskussionskultur mit Betroffenheits-Sätzen wie: „Ich höre aus deinen Worten einen gewissen Subtext heraus.“

Jetzt wird Tochter Joni (Mia Wasikowska) 18, und ihr Bruder Laser (Josh Hutcherson) überredet sie, über die Samenbank Kontakt zum Erzeuger herzustellen. Und als dieser coole Restaurantbesitzer Paul (Mark Ruffalo) in der Familie auftaucht, wird alles anders.

Die Frauen haben zunächst Angst, dass sich ihre Kinder entfremden. Denn Joni erhält dringend nötige Hilfe beim Abnabeln von den Doppelglucken - und somit beim Erwachsenwerden -, und Laser bekommt einen Freund, der nicht so destruktiv und herrisch ist wie der bisherige beste Kumpel. Alle freunden sich an, doch als Jules mit Paul ungeplant im Bett landet, ist das neue Leben in Gefahr.

Am Ende übertreibt es die Regisseurin mit der politischen Korrektheit und rutscht außerdem zu tief in den Mainstream-Kitsch. Aber davon abgesehen überzeugt „The Kids are Allright“ mit seinen pointierten Dialogen und dem präzisen Spiel aller Mitwirkender, allen voran den Mütter-Darstellerinnen.

Annette Bening, die hier an ihre unvergessene Leistung in „American Beauty“ anknüpft, zeigt Nic als dominante Ärztin, die gern alles bestimmen will und sich nur einen Moment lang öffnet - als sie mit Paul Joni-Mitchell-Songs trällert. Julianne Moore gibt Jules eine verhuschte Hippiehaftigkeit, hinter der tiefe Einsamkeit lauert.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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