Ein umjubelter „Rosenkavalier“ in Darmstadt

Abschied von alten Zeiten ohne Illusion

Spannung: Carine Séchaye (Octavian, links), Aki Hashimoto (Sophie) im „Rosenkavalier“. Foto:  Aumüller

DArmstadt. „Der Rosenkavalier“ trägt Endzeitcharakter. Richard Strauss‘ Oper um den Verfall einer aristokratischten Gesellschaftsordnung kreisende Liebes- und Verzichtsgeschichte führt mit herrlicher Musik und den vielfältigen Brechungen eine Vergangenheit vor Augen, die nichts von ihrem Zauber eingebüßt hat.

In Peter Lunds Regie und im Bühnenbild Claudia Doderers (auch Kostüme) steht der vom Premierenpublikum gefeierte „Rosenkavalier“ unter Leitung Constantin Trinks im Darmstädter Staatstheater auf der Bühne. Viel Lob für die vorzüglichen Sänger, vor allem Albert Pesendorfer als komödiantischem Ochs von Lerchenau. Die Mezzosopranistin Carine Séchaye begeistert als Octavian alias Mariandl: Ein reizend-burschikoses großes Kind.

Es ist ein Stück über das Dahingehen einer ganzen Epoche, sichtbar gemacht an der Spielfigur der Marschallin (eindrucksvoll Yamina Maamar), einer Schönheit mittleren Alters, die sich einen blutjungen Geliebten hält und die deprimierenden Zeichen des „seltsamen Dinges Zeit“ erkennt. Das Karussell dreht sich. Lebenshunger in Verzicht und Güte verwandelnd, überlässt sie das Feld der Liebe dem jungen Galan und Sophie (Aki Hashimoto).

Träume und Sehnsüchte, Erfüllung und Loslösung erfüllen diese Endzeitstory. Doch in der vierstündigen Darmstädter Aufführung gibt es keine überladenen Bilder, sondern Leere und Illusionslosigkeit. Die Bühne ist nur ein kastenartiger weißer leerer Raum. Kein Komödienjubel zum Schluss. Nur drei einsame Figuren, die nicht ahnen, wie es weitergehen soll. Ihr berühmtes Terzett ist einer der Höhepunkte dieses langen Abends. Octavian und Sophie singen ihr zauberhaftes Liebesduett, das alles Endgültige bereits in Frage stellt: „Ist ein Traum, kann nicht Wirklichkeit sein.“

Das Darmstädter Orchester fährt vor allem im dritten Akt zu großer Form auf: Dynamisch, präzis, in leuchtenden Farben und ungemein flexibel begeistert es mit Wiener Walzern, derbkomischen Späßen, witziger Ironie.

Wieder am 27.3., 8., 18. und 27.4., Tel. 06151/ 2811-600

Von Britta Steiner-Rinneberg

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