Willy Ketzer & The Paul Kuhn Family eröffneten den Jazzfrühling im Theaterstübchen

Ein Abschied zum Einstieg

Fröhlich und sentimental: Sängerin Gaby Goldberg.

Kassel. Mehr Anlass geht nicht. Für Willy Ketzer & The Paul Kuhn Family gab es gleich mehrere Gründe, ihren Auftritt genau an diesem Donnerstag, 12. März .2015, im Theaterstübchen stattfinden zu lassen. Zum einen eröffneten sie damit den hochkarätig besetzten 7. Jazzfrühling des emsigen Clubbesitzers Markus Knierim, zum anderen hätte an diesem Tag der vor zwei Jahren verstorbene Pianist und Bandleader des Trios, Paul Kuhn, seinen 87-jährigen Geburtstag feiern können. Und Kuhn, der noch vielen als Entertainer, Big-Band-Dirigent und Fernsehstar in guter Erinnerung ist, spielte im Theaterstübchen sein letztes Konzert.

So geriet der Abend zu einem stimmungsvollen Event mit vielen kleinen Anekdoten, autobiografischem Bildmaterial und exquisiter Musik. Mit großem Einfühlungsvermögen gelang allen Akteuren auf der Bühne der Spagat zwischen sentimentalem Echo und proklamierter Lebensfreude. Für Sängerin Gaby Goldberg sind diese Konzerte „ein bittersüßes Vergnügen“, bei der sie die Trauer über den Verlust mit dem fröhlichen Tradieren des kreativen Erbes des beliebten Tasten-Prinzipals kompensiert.

Thronfolger Martin Sasse hat in Sachen Virtuosität einiges mehr im Ärmel als der Meister, doch auch er bleibt auf Kurs, wenn es darum geht, den typischen Kuhn-Sound zu zelebrieren. Gust Meyer am Tenorsaxofon, Bassist Paul G. Ullrich und Willy Ketzer am Schlagzeug brillierten mit abgeklärter Ruhe und verströmten als langjährige Weggefährten von Kuhn Routine und Souveränität. Swing war Trumpf und von der Vitalität, mit der das Quintett zur Sache ging, ließ sich das Publikum zu ständigen Applaus-Attacken verführen. Auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen und seine Partnerin Margit Berghof-Becker genossen sichtlich die heimelige Atmosphäre. Für Witwe Ute Kuhn war das Konzert eine Zeitreise durch mehr als 25 Ehejahre, wenn auch ohne „Es gibt kein Bier auf Hawaii“, das an diesem Abend nicht auf der Agenda stand.

Als Gaby Goldberg zum letzten Song „I Wish You Love“ ansetzte, floss so manche Träne bei einigen Gästen. Große Gefühle, tolle Musik. Ein perfekter Einstieg in die Festival-Wochen.

Heute, 20 Uhr: Malia.

Von Andreas Köthe

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