Die Scorpions beenden ihre Karriere mit einer letzten CD und Abschiedstour

Abschied mit Giftstachel

Sie sind die Scorpions: Matthias Jabs (Gitarren), James Kottak (Schlagzeug), Klaus Meine (Gesang), Pawel Maciwoda (Bass) und Rudolf Schenker (Gitarren). Foto:  Sony

Ich wuchs auf mit Rock, „I was raised on rock“, singt Klaus Meine im ersten Stück des letzten Studioalbums der Scorpions. Jahrgang 1948 ist der Frontmann der norddeutschen Altrocker, ebenso wie Gitarrist Rudolf Schenker. Angesichts ihrer Bühnenpräsenz schier unglaublich. Trotzdem: Mit ihrer neuen CD „Sting In The Tail“ verabschiedet sich die wichtigste Hardrock-Band Deutschlands. Und fährt ein letztes Mal alles auf, wofür sie steht.

Das beginnt bei den ersten Akkorden des Eröffnungsstücks. Es lässt die Gedanken schweifen zu „Rock You Like A Hurricane“. Wenig später gesellt sich ein unbeschwerter Chorus zum fröhlichen Erinnerungsaustausch. Der Klang ist auf der Höhe der Zeit, bei den Kompositionen hingegen wurde bis weit in die eigene Vergangenheit hinein gegraben. Mikael Nord Andersson und Martin Hansen (The Rasmus) haben ganze Arbeit geleistet. Sie produzierten nicht nur, sondern schrieben auch Songs.

Konsequente Musik

„Humanity - Hour I“ war das spannendere Album, „Sting In The Tail“ ist das konsequentere. Standesgemäß wird abgehakt, was auf der Checkliste steht. Dort befinden sich Rocksongs und Balladen unmittelbar nebeneinander. Auf das heftige „Slave Me“ folgt die erste Single „The Good Die Young“: Im Hintergrund ist dabei Ex-Nightwish-Dame Tarja Turunen zu hören, im Vordergrund stehen „Menschen, die sich für Frieden und Freiheit einsetzen“. Nach dem Schunkel-Ausrutscher „Lorelei“ geht „Turn Me On“ in die Vollen. Und auf „Let’s Rock!“ folgt der weitaus weniger selbsterklärende Titel „SLY“: Die Gitarrenlinie lässt den Hörer schonmal schlucken, die erste Textzeile „She was born with a song in the air, in the summer of ‘85“ füllt dann die Augen mit Wasser. Der große Refrain bricht dann den Damm. „SLY“ - die drei Buchstaben stehen als Abkürzung für den Bandklassiker „Still loving you“. Wer ihn errät und damals in der Blüte seines Lebens stand, wird sich der Faszination dieser Nummer nur schwer entziehen können.

„The Best Is Yet To Come“ schließlich nennt sich der seufzende Rausschmeißer. Mehr als 40 Jahre liegen hinter den Scorpions. Und vor ihnen weitere drei. So lange soll die Abschiedstournee dauern. Klaus Meine weiß, dass seine Truppe „von Anfang an ihren Platz auf der Bühne gesehen hat“. Daher: Hingehen und staunen. Ein letztes Mal. (tx)

The Scorpions: „Sting In The Tail“, Sony, Wertung: !!!!:

Von Alexander Diehl

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