Abschied mit heißer Musik: James Last in Göttingen

Gibt nach wie vor den Takt an: Mit seinem Orchester bot James Last in der Göttinger Lokhalle ein tolles Programm mit Pop, Klassik, Gospel und Irish Folk. Foto: Jelinek

Göttingen. Happy Sound war am Mittwoch in der Göttinger Lokhalle angesagt. Dort gastierte James Last mit seinem berühmten Orchester.

Die schütter gewordene, silbergraue Haarpracht hat er im Nacken zu einem kleinen Pferdeschwanz gebündelt, die Motorik wirkt eingefroren, die Schritte unsicher. Das ist nicht ungewöhnlich für jemanden, der in Kürze 86 Jahre alt wird. Erstaunlich ist es eher schon, dass Orchesterleiter, Arrangeur, Komponist und Produzent James Last in diesem Alter überhaupt noch auf der Bühne steht.

Blickt man ihm ins Gesicht, in sein erfülltes Lächeln, wenn er der Musik lauscht und auf den forschen Takt hört, den er mit dem rechten Arm angibt, dann weiß man warum: Musik ist sein Leben.

Am Mittwoch gastierte die lebende Legende Hans Last und sein 40-köpfiges Orchester auf seiner Abschieds-Tournee in der mit knapp 1300 Besuchern gefüllten Lokhalle in Göttingen. Nicht nur Senioren, auch viele junge Gesichter waren auszumachen.

„Vor fast 70 Jahren habe ich Musik studiert, heute erleben sie, was davon übrig geblieben ist“, sagte der gebürtige Bremer und schmunzelte. Seine Kritiker, die Gralshüter der anspruchsvollen Musik, sind leise geworden. „Fahrstuhlmusik, Kaufhausmusik“, boxten sie ihm einst entgegen.

Last gab die passende Antwort: 400 Alben hat er herausgebracht, er hat Fans auf der ganzen Welt. Auch sein Abschieds-Programm ist dem Genre Easy Listening zuzuordnen. Es ist massentauglich und kommt gerade deswegen prächtig an. Es hat Schwung und Wärme, wartet mit großartigen Bläsersätzen und fünf starken Stimmen auf, lässt Geigen gepflegt aufspielen, Piano, Percussion und Gitarristen glänzen und vieles mehr. Auch die stilistische Vielfalt begeisterte: Pop, Klassik, Gospel und Irish Folk.

Bei „Wien bleibt Wien“ tanzen knapp 20 Paare Polka in den Gängen, bei Filmmusik aus „Rocky“ und „Fluch der Karibik“ wird auf den Stühlen gewippt, bei „Somewhere“ aus der „West Side Story“ geträumt. Die Irish-Folk-Anleihen feiern gut 70 Besucher unmittelbar vor der Bühne.

Auch solistisch wurde viel geboten: Pianist Joe Dorff mit der Cocker-Nummer „You Are So Beautiful“, die Afro-Amerikanerin Ingrid Y. Arthur mit Gospels – große Klasse. „Es wird kalt draußen, machen wir heiße Musik“, hatte Last das Publikum begrüßt. Er hat nicht zu viel versprochen. Lautstarker Applaus. Eine Zugabe vom glücklichen, aber erschöpften Meister gab es nicht mehr.

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Von Steve Kuberczyk-Stein

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