Abschied mit Schmusestimme: Pippo Pollina beim Vellmarer Sommer im Park

Abschluss beim „Sommer im Park“: Der italienische Liedermacher Pippo Pollina (vorn im Bild). Fotos: Malmus

Vellmar. Wie schade: Mit dem Konzert des italienischen Liedermachers Pippo (eigentlich: Giuseppe) Pollina ging am Montag das Vellmarer „Sommer im Park“-Festival zu Ende. Dass etwas Wehmut in der Luft lag, hatte aber noch einen anderen Grund: Vellmars Bürgermeister Manfred Ludewig bedankte sich auf der Bühne beim scheidenden Piazza-Chef und Festival-Motor Gerhard Klenner und seiner Mitarbeiterin Pia Bluhm für das langjährige Engagement.

13 847 Besucher kamen in diesem Jahr zum Festival – ein Rekord. Klenner bedankte sich in seiner gewohnt ruhigen Art: „Die 21 Jahre haben mir viel gebracht.“ Dass hinter ihm auf der Videowand in großen Buchstaben „Vielen Dank Gerhard!!!“ aufleuchtete, bekam der scheidende Festivalleiter zum Vergnügen des Publikums zunächst gar nicht mit.

Das Konzert des in Sizilien geborenen Musikers begann mit sanften Tönen. Im Alter von 22 Jahren machte sich Pollina auf den Weg, als Straßenmusiker durch ganz Europa zu ziehen. Wenngleich die meisten seiner mal romantisch, mal melodramatisch gesungenen Stücke Balladencharakter haben, so geht es Pollina, dem als Kind ein schwerer Autounfall fast das Sehvermögen nahm, nicht darum, nur Streicheleinheiten zu verteilen. Der 52-Jährige, der als junger Mann ein Jura-Studium begann, um sich gegen die Mafia zu engagieren, ist ein sozialkritischer und politischer Mensch.

Und er ist ein Erzähler. Worum es in seinen Stücken geht, breitet er ausführlich aus. Das Stück „Mare, mare, mare“ ist Zeugnis seiner tiefen Verbundenheit mit dem Meer - das er bei seinem ersten Besuch „in Deutschland allerdings suchen musste“, weil er bis dato „noch nichts von Ebbe und Flut gehört hatte“, wie er zum Vergnügen des Publikums erzählt.

Ein Stück hat er einem von der Mafia ermordeten Journalisten gewidmet. Sein Lied „Anni Settanta“ (70er-Jahre) ist für ihn ein Stück Zeitgeschichte, das er mit Videoaufzeichnungen (Demos, Rockkonzerte, Mondlandung) begleitet. Zur Gitarre oder vom Keyboard untermalt, singt er seine Lieder, ab und zu auch ohne seine Band. Die meisten Stücke sorgen für Gänsehaut, einige Abgehnummern für pure Lebensfreude. Viel Applaus der 270 Besucher, einige Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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