Trickreich 14 ist eröffnet

Zum Abschweifen sind die Filme zu kurz

So unterschiedlich kann Trickfilm aussehen: Florian Maubachs „Nachschlag“ (oben) und Elisabeth Zwimpfers „Hidden Track“. Fotos: uni/nh

Kassel. Manchmal kann ein Trickfilm in wenigen Minuten mehr bewirken, als jeder abendfüllende Animationsstreifen. Dann nämlich, wenn er sich ob seiner Kürze - oftmals nur zwei oder drei Minuten lang - auf einen wesentlichen Aspekt fokussiert.

Das regt zum Nachdenken über das Gesehene an, auch wenn die Botschaft selten im Offensichtlichen liegt. Und diese Botschaften transportiert so gut wie jedes der knapp 30 Werke, die das Jahresprogramm der Trickfilmklasse der Kasseler Kunsthochschule umfasst und die seit Mittwoch im Bali-Kino gezeigt werden. Bekannte Motive sind das zumeist. Gerade im ersten der drei Filmblöcke werden die in der Kunst häufig aufgegriffenen Symbole von Vergänglichkeit und Unsterblichkeit thematisiert. So zum Beispiel in „Unmaking of“ von Nathalie Schuster-Gieb und Tom Hedermann, das künstlerische Entstehungsprozesse rückwärts abspielt oder in „Don’t“, worin Alma W. Bär aus abgeschnittenen Haaren neue Muster entstehen lässt.

Viel Applaus gab es aber auch für humoristische Inhalte. Die mit viele Liebe zum Detail gezeichneten Wuschelköpfe in Olga Gewers „Perfect Hot“ sorgen für ebenso viele Lacher wie das dadaistische „Die Frikadelle von Zimbo“ (Daniel von Bothmer), das ein Beispiel dafür ist, wie unterschiedlich die kurzen Werke konzipiert sind. Hier reichen einfache, beinahe kindlich anmutende Zeichnungen, weil es um das Gesagte geht. Überhaupt fällt auf, wie wichtig für die Studenten neben der optischen Gestaltung der Sound ist. Auf Dialoge aber wartet man vergebens, ein Großteil der Werke kommt ganz ohne Stimmen aus.

Großes Lob gab es von Kunsthochschulrektor Joel Baumann. „Zwei halbe Professuren und zwei halbe Mitarbeiterstellen schaffen in Kassel mehr, als an richtig großen Schulen geleistet wird“, sagte der 44-Jährige im voll besetzten Kinosaal am Mittwoch.

Beinahe rührselig wurde es am Ende der Vorstellung. Abgesetzt von den Filmen der Schüler präsentierte Martin Schmidt, künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Trickfilmklasse und frisch gebackener Vater, sein Projekt „Emil“. Ein Animationsfilm über den Kampf zwischen Küken und Eierschale. Die Botschaft ist angekommen. (lad)

Trickreich 14, Bali-Kino im Kulturbahnhof, Donnerstag und Freitag, 22.15 Uhr, Eintritt 7 Euro/6,50 Euro, Vorbestellung unter Tel. 0561/71 05 50.

Von Lasse Deppe

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