Der Absturz des Vollidioten: Tommy Jauds Bestseller „Überman“

Der Thomas Gottschalk unter den deutschen Buchautoren: Tommy Jaud. Foto: Meyer/nh

Sehr früh macht Simon Peters deutlich, was er von Thomas Gottschalk hält - nämlich nichts. So schimpft er auf die Amerikaner, die ihn wiederholt haben ausreisen lassen.

Diese Verachtung gegenüber dem Fernsehmoderator wiederum ist erstaunlich, da der Erfinder dieser Romanfigur Simon Peters auf dem besten Weg ist, der Thomas Gottschalk unter den deutschen Buchautoren zu werden.

Dieser Erfinder heißt Tommy Jaud und hat jetzt mit „Überman“ einen neuen Roman auf den Markt gebracht. Es ist das dritte Buch über Simon Peters, der erst als „Vollidiot“ und dann als „Millionär“ erstaunliche Erfolge feierte. Mit dem frühen Simon Peters schaffte es Jaud nicht nur zum Bestseller-Autor, sondern zu einer Art Vorreiter unter den Schriftstellern einer gewissen Spaßliteratur, die es mittlerweile in solch hoher Anzahl gibt wie Möchtegern-Moderatoren im Fernsehen.

Doch mit der dritten Geschichte über den verpeilten Simon Peters droht Jaud das Gottschalk’sche Schicksal: Der 42-Jährige ist weit von seiner Bestform entfernt. Sein Problem ist: Das ist kein Zufall, sondern ein Trend. Schon Jauds letztes Buch „Hummeldumm“, immerhin der meistverkaufte deutsche Roman des Jahres 2010, stand unter Verdacht, nur ein Abklatsch der früheren Comedy-Kunst Jauds zu sein.

„Überman“ bestätigt den Verdacht. Hier flackert diese Kunst des Komischen nur noch gelegentlich auf - und nicht mehr an einem Stück wie in den Vorgängerromanen mit Simon Peters als Hauptfigur.

Die Handlung ist so flau und sinnfrei, wie es die Interviews von Gottschalk bei „Wetten, dass ..?“ zuletzt oft waren: Simon Peters kommt mal wieder in Schwierigkeiten und versucht zu retten, was zu retten ist. Das trägt nicht mehr für einen dritten Teil, zumal die Situationen und Anspielungen alle irgendwie schon einmal da gewesen zu sein scheinen: die Gespräche mit der ausländischen Putzfrau, der Zoff mit der Freundin, die Spitzen auf Köln und die Kölner an sich.

Das alles ist nur noch selten sehr lustig. So erinnert auch das Lesen irgendwie an eine Sendung mit Thomas Gottschalk: Stets ist die Hoffnung da, dass es noch einmal besser wird, dass doch noch ein Pointenfeuerwerk folgt - wie früher. Doch für mehr als ein paar Schmunzler reicht es nicht mehr.

Es bleibt die Erkenntnis, dass andere wie Moritz Netenjakob Tommy Jaud längst überholt haben. Er ist nicht mehr die Nummer eins. Thomas Gottschalk kennt dieses Gefühl.

Tommy Jaud: Überman. Verlag Scherz, 368 Seiten, 16,99 Euro. Wertung: zwei von fünf Sternen

Von Florian Hagemann

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