Die Frankfurter Kunsthalle Schirn zeigt „Surreale Dinge“

Absurder Spaß

Ein besonderes Telefon: „Hummer - oder aphrodisisches Telefon“, nannte Salvador Dalí seine Arbeit aus dem Jahr 1936. Foto: Schirn/nh

Frankfurt. Eine absonderliche Schau hat sich die Schirn in Frankfurt zum 25jährigen Jubiläum beschert: „Surreale Dinge“ verspricht das Ausstellungsplakat - und in der Tat, was in der Kunsthalle zu sehen ist, das wirkt auf den Betrachter befremdlich und skurril

Ein bemerkenswerter Gang durch die ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts mit Arbeiten, die sich zwischen Dadaismus und Surrealismus, zwischen Politkunst und purem Kitsch bewegen. Mit prominenten Werken knüpft man an die Aufsehen erregende „Exposition Internationale du Surréalisme“ an, die 1938 in Paris zu sehen war.

Den Besucher damals erwartete schon im Vorhof Salvador Dalis „Regentaxi“, ein altes, efeuumranktes Automobil, in dessen Fond eine weibliche Schaufensterpuppe im Abendkleid saß und auf dessen Polster Weinbergschnecken ihre schleimigen Spuren hinterließen.

Mit einer ähnlich schrillen Installation kann die Salonausstellung in Frankfurt nicht aufwarten, mit ihren rund 180 Werken von über 50 Künstlern zeigt sie aber einen bemerkenswerten Querschnitt über die Anfänge einer Kunstrichtung, die eine ganze Epoche geprägt hat.

Die von der Kunsthistorikerin Ingrid Pfeiffer kuratierte Schau setzt den Fokus ganz auf die dreidimensionalen Arbeiten der Surrealisten. Heute noch populäre Namen sind unter den ausgestellten Künstlern wie Marcel Duchamp und Rene Magritte, aber mit Angel Ferrant oder Mimi Parrent auch weithin vergessene, nicht minder prägende Künstler. Gleich zu Beginn der Ausstellung empfängt uns eine Figur, die klar macht, wie sehr die Arbeiten geprägt sind von den Erfahrung des Weltkriegs.

Der „Wildgewordene Spießer Heartfield“, ein gemeinsames Werk von George Grosz und John Heartfield gehört zu den eindringlichsten Arbeiten in der Schirn-Schau. Eher witzig kommt ein Busen von Marcel Duchamp und Enrico Donati mit dem Titel „Bitte berühren“ daher.

„Schön - so schön wie die Begegnung einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Operationstisch“ - dieses berühmte Zitat des Dichters Comte de Lautréamont steht für einen zentralen Aspekt der surrealistischer Kunsttheorie: man kokettierte mit dem Absurden, orientiert sich dabei aber auch eng an der so überaus populären Psychoanalyse.

Schirn Kunsthalle Frankfurt, Römerberg, 60311 Frankfurt. www.schirn.de. bis 29. Mai, Di, Fr - So 10-19 Uhr, Mi, Do 10-22 Uhr.

Von Gerd Döring

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