Saisonbilanz 2017/2018

Abwärtstrend am Kasseler Staatstheater geht weiter

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Blieb hinter den Erwartungen zurück: Die Aufführung „The Rake’s Progress“ erzielte nur eine Auslastung von 34,1 Prozent. Im Bild zu sehen (von links) Elizabeth Bailey als Ann Trulove und Belinda Williams als Baba.

Kassel. Mehr Aufführungen, weniger Besucher: Das ist die Bilanz, die das Kasseler Staatstheater nach der Spielzeit 2017/2018 ziehen muss. Erneut. 

Intendant Thomas Bockelmann

Denn damit setzt sich der Abwärtstrend seit der Spielzeit 2012/2013 fort (damals erreichte man noch 229 112 Besucher). Die 682 Aufführungen der nun zu Ende gehenden Saison sahen 199 053 Besucher, somit kamen über 8000 Menschen weniger in die Vorstellungen als im Jahr zuvor – und über 30.000 weniger als noch vor fünf Jahren. Man liege nun unter der 200.000-Marke, so Intendant Thomas Bockelmann, der versicherte, dass das Haus alles dafür tun werde, um die Entwicklung umzukehren. Die Platzauslastung fiel von 71,5 auf 70 Prozent.

Die größten Rückgänge gab es bei der Oper (von 59,4 auf 55,3 Prozent) und beim Kinder- und Jugendtheater (von 85,5 auf 80,7 Prozent). Gründe dafür sieht Bockelmann darin, dass man sich bei der Oper mit drei der Werke zu weit vom Mainstream entfernt habe. Und: Beim Weihnachtsmärchen habe man jetzt noch mit der Kritik aus der Vorsaison zu kämpfen gehabt. Die einzige Sparte, die einen Zuwachs verzeichnete, ist das Tanztheater.

Musiktheater

Die Kombination aus drei, wohl zu unbekannten Stücken, sei vom Publikum nicht ausreichend angenommen worden, so Bockelmann. So blieben „Andrea Chénier“ (Auslastung von 51,2 Prozent), „Jenufa“ (41 Prozent) und „The Rake’s Progress“ (34,1 Prozent) hinter den Erwartungen zurück. „Sie sind beim Publikum nicht ganz angekommen“, so Bockelmann, der hofft, dass das Publikum die Neugier nicht verliert. Populärere Stücke wie die „Zauberflöte“ mit 98,4 Prozent und 4658 Besuchern und „Hänsel und Gretel“ (83,1 Prozent/3788 Besucher) erhielten den größten Zuspruch. Ein Renner war die „West Side Story“ (99,1 Prozent). Einen Rückgang gab es auch bei den Konzerten (von 87 auf 85,9 Prozent).

Schauspiel

Das Schauspiel verzeichnet einen Rückgang um 2265 Besucher, trotz 21 Aufführungen mehr ging die Platzausnutzung um 2,6 Prozentpunkte zurück. Sorgenkind in der Sparte war ausgerechnet ein Klassiker: Mit Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ sollten Schüler erreicht und das Haus gefüllt werden. Die Inszenierung erzielte aber nur eine Auslastung von 51,8 Prozent. „Das hat uns mit reingerissen“, sagte Bockelmann. Rekordhalter im Besucherzuspruch war Shakespeares „Sommernachtstraum“, die Vorstellungen waren mit 97,9 Prozent fast ausverkauft.

Erfreulichen Zuspruch erzielten zwei thematisch topaktuelle Stücke auf der Studiobühne tif: „Konsens“ von Nina Raine, das sich mit sexueller Gewalt beschäftigt, war zu 90,3 Prozent verkauft, das Drama zur Islam-Debatte, „Unterwerfung“ nach Houellebecq fand 95,7 Prozent Auslastung.

Kinder- und Jugendtheater

Unter der bei Teilen des Publikums umstrittenen Weihnachtsmärchen-Inszenierung „Ronja Räubertochter“ aus der Vorsaison hatte das aktuelle Adventsstück, Michael Endes „Wunschpunsch“, im Opernhaus zu leiden, so Bockelmann: Die Auslastung ging von 88,5 auf 78,8 spürbar zurück. Ein Renner wurde der nicht nur von Jugendlichen besuchte „Werther“, der bei 22 Aufführungen zu 98 Prozent gefüllt war. In der Kinder- und Jugendsparte waren die Plätze zu 80,7 statt 85,5 Prozent belegt, bei zwölf Vorstellungen mehr.

Tanztheater

Die Beharrlichkeit habe sich ausgezahlt, die Kraft und Energie des Ensembles haben das Publikum angesprochen, so Bockelmann mit Blick auf die Zahlen des Tanztheaters. Die 41 Aufführungen sahen 15 790 Besucher. Somit stieg ihre Zahl um knapp 1000 Zuschauer (Auslastung 65,6 Prozent). Die Sparte habe auf Grund ihres performanceartigen Tanztheaters keinen leichten Stand, doch werde das Angebot immer besser angenommen. Spitzenreiter waren „Morgendämmerung“ mit 4184 Zuschauern (43,8 Prozent) und „Eternal prisoner“ mit 3480 Zuschauern (67,4 Prozent). Neben Tanzdirektor Johannes Wieland, habe Tanzdramaturg Dr. Thorsten Teubl die Sparte geprägt. Ihm dankte Bockelmann und verabschiedete ihn zugleich – Teubl wechselt nach Linz. 

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