„Achtmal Alte Brüderkirche“: Äußerst gelungener Saisonstart

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Famoses Duo: Moritz Eggert am Flügel, Sänger Richard Logiewa. Im Vordergrund Arbeiten von Elke Mark.

Kassel. Einmal befürchtete man, dass der Flügel zerspringt - mit solcher Wucht bearbeitete ihn Moritz Eggert, der außerdem einen Schrei ausstieß und einen auffällig schicken Anzug trug.

Zeitgenössische E-Musik kann unterhalten: Das war die Botschaft des äußerst gelungenen Auftakts der Reihe „Achtmal Alte Brüderkirche“.

Moritz Eggert, bekannt unter anderem durch sein Fußballoratorium, war als Pianist in eigener Sache aktiv. Mit Bariton Richard Logiewa präsentierte der Münchner Hochschulprofessor seinen Liederzyklus „Neue Dichter Lieben“. Eine postmoderne Angelegenheit, wie schon die Anspielung auf Schumanns „Dichterliebe“ nahelegt.

Reich an Kontrasten von der guten alten Tonalität bis zum Cluster gaben sich Eggerts Vertonungen von 20 zeitgenössischen Liebesgedichten. Das war oft skurril, hatte aber auch zarte Momente und kam sehr erfrischend daher. In der Zugabe entführte das famose Duo gar zum Wiener Heurigen - mit Eggerts Schmankerl „Einmal muss Sperrstund sein“.

Die postmodern spielerische Haltung fügte sich bestens zum Saisonmotto „Blick nach vorn zurück“, das nicht nur wegen des Stadtjubiläums gewählt worden war. Bereits im zehnten Jahr begegnen sich bei „Achtmal Alte Brüderkirche“ Musik, Sprache und Kunst.

Für die Kunst sorgte diesmal Elke Mark, die wie Eggert alten Materialien neue Bedeutung gegeben hat - etwa in einer Skulptur aus Schwälmer Tracht. Gabriele Heppe-Knoche las hundert Gästen kluge Texte über die Liebe vor. Zum Beispiel von Niklas Luhmann. Die unterkühlte Sicht des großen Soziologen erheiterte: „Zeitlich gesehen liegt die Generalisierungsleistung der Liebe in der Überbrückung von Intervallen zwischen sexuell motivierten Kontakten.“

Nächster Termin: 9. Juni, 18 Uhr, Alte Brüderkirche. Ensemble Horizonte.

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