„Achtmal alte Brüderkirche“: Eine poetische Wunderreise

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„stabil.fragil“: Zum Auftakt der Reihe „achtmal alte brüderkirche“ schuf Günter Stangelmayer diese Stahlskulptur für das gotische Gotteshaus. Fotos: Fischer

Kassel. Der Geigenton, zu Beginn nur ein musikalischer Hauch, steigert sich, schwillt an, wird Wehklagen und Meeresrauschen, umgarnt und vervollkommnet durch den Klang der Stimme, den Gesang der Töne.

Rike Kohlhepp lässt ihre Geige fließen und atmen, die warme Weite des Instrumentes klingen, und erkundet zusammen mit ihrer Stimme die Grenzen des Machbaren. Was kann die Neue Musik? Wie wird die Balance gehalten, wie gleichen sich fragile und stabile Momente aus?

Eine Erkundung, die am Sonntagabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „achtmal alte brüderkirche“ und dem programmatischen Jahrestitel „Die Sache an sich“ auch von dem Künstler Günter Stangelmayer verfolgt wurde.

Seine vier Meter hohe Skulptur aus 21 Edelstahlsteckrahmen, allesamt identische Module, schien das Begriffspaar „stabil, fragil“ in eine optische Behauptung umzuwandeln: eine zugleich dominante wie durchscheinend verletzbare Installation, die den Kirchenraum besetzte und öffnete. An vier Positionen die Installation begleitend, nahmen die Musikerin Rike Kohlhepp und Pfarrerin Kathrin Jahns abwechselnd ihren Standort ein, ergänzte Jahns den „Tanz der Elemente“, wie die Musikerin aus dem Badischen ihre vier Kompositionen nennt, durch Textbeiträge, erweiterte die Musik, dehnte sie aus.

Jahns nahm in einer fein und sorgsam komponierten Textauswahl das Publikum in der gotischen Brüderkirche mit auf eine poetische Wunderreise durch die Welt der Sprache. Weltvermessung, sprachliche Juwelen, von Jahns mit zarter Präsenz vorgetragen.

„achtmal alte brüderkirche“, im elften Jahr veranstaltet, verweist mit diesem Eröffnungsabend erneut auf eine erfolgreiche Konzeption: Werden hier doch zu wechselnden Themen Bildende Kunst, Ausdruck, Sprache und Musik zum Gesamtkunstwerk zusammengebunden. In Einführung und Grußworten unterstrichen Susanne Jakubczyk und Olaf Pyras vom fünfköpfigen Konzeptionsteam als auch Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Klaus Angermann, Vorstandsvorsitzender der fördernden Gerhard-Fieseler-Stiftung, diese Grenzgänge als Besonderheit im kulturellen Leben der Stadt.

 

Nächster Termin: 8. Juni, 18 Uhr, „bio.morph“ mit Charlotte Mumm, Robert Dick, Uwe Jakubczyk.

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