"achtmal alte brüderkirche“ widmete sich dem "Vorüberziehen“

Gestalteten diesmal das Programm: Sabine Stange (Fotografie, von links), Dr. Gertrude Betz (Sprache), Eva Zöllner (Akkordeon). Foto: Malmus

Kassel. „Vorüberziehen“ war das Motto der fünften Veranstaltung im zehnten Jahr von „achtmal alte brüderkirche“, und viele Menschen zogen am Sonntag nicht vorüber, sondern gingen hinein in die älteste Kirche Kassels, vielleicht neugierig oder misstrauisch – jedenfalls füllten sie die Kirche (fast) bis auf den letzten Stuhl.

Wer oder was zieht woher oder wohin, an wem oder an was und wann vorüber? Ist die reale Wahrnehmung gemeint oder etwa andere Dimensionen, Gedanken, Traum, Meditation, Gebet? Auf dem Programmheft ist ein Vers aus der Bibel zitiert (2. Mose 33,22): „... ich will meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin“. Hier werden Moses die Augen zugehalten, damit er nichts sieht.

Musik, Kunst und Sprache versucht die Reihe jeweils zu einem Thema zu verbinden. Den Beitrag Kunst steuerte Sabine Stange bei, die mit ihren Bildern rund um die Berliner S-Bahn die Augenblicke zwischen Vergangenheit und Zukunft festhielt und auf einer Leinwand präsentierte. Eva Zöllner, die renommierte Akkordeonspielerin und auf moderne Musik spezialisiert, entführte die Zuhörer in eine uns unbekannte Klangwelt des Akkordeons, teilweise erzeugt mit neuen Spieltechniken. Die enge Verbindung von Musik und Sprache wurde in „Babylon“ von Beat Gysin (2011) deutlich, einer Vertonung von Konsonanten, Vokalen und Rhythmen verschiedener Sprachen. Der Bereich Sprache lag in der Hand von Dr. Gertrude Betz, die Kurzgeschichten und Essays verschiedener Dichter, etwa von Franz Kafka, Peter Bichsel, Günter Kunert und Hugo von Hofmannsthal, vortrug, die mit vielfältigen Darstellungen Anregungen zum Nachdenken über das „Vorüberziehen“ gaben. Ein Satz von Robert Walser sollte eine kleine Hilfe beim Nachdenken sein: Man braucht nicht viel Besonderes zu sehen, man sieht so schon viel.

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