Achtung, ein Baby von Apple: U2 verschenkt sein Album - taugt es was?

Wo Apple und U2 auftreten, sieht Applaus immer aus wie Beten: Konzernchef Tim Cook (links) mit Sänger Bono (rechts) sowie (hinten von links) Gitarrist The Edge, Schlagzeuger Larry Mullen Jr. und Bassist Adam Clayton am Dienstag in Cupertino. Foto: dpa

Cupertino. Als U2-Sänger Bono Vox am Dienstag im kalifornischen Cupertino mit Apple-Chef Tim Cook sprach, wurde noch einmal klar, was seine Band von anderen unterscheidet. „Alles, worum es bei uns geht, ist, dass unsere Musik so viele Menschen wie nur möglich mitbekommen“, sagte der 54-Jährige.

Andere Bands wollen gute Musik machen, U2 wollen erst einmal so viele Fans erreichen, wie es geht.

Das haben sie am Dienstag geschafft. Ohne Vorankündigung stellten die Iren ihr erstes Studioalbum nach fünf Jahren Pause vor. Direkt nachdem Apple sein neues iPhone präsentiert hatte, spielten U2 ihren neuen Song „The Miracle (Of Joey Ramone)“. Anschließend verschenkten die beiden Giganten „Songs Of Innocence“ an mehr als 500 Millionen Nutzer von Apples Online-Plattenladen iTunes.

Jeder Kunde mit gültigen Zahlungsdaten fand die elf neuen Lieder über Nacht in seiner Bibliothek. Bis zum 14. Oktober kann man sie dort und nur dort kostenlos anhören. Es ist ein Geschenk, das kein Kunde ablehne kann (was im Netz natürlich auch wütende Reaktionen hervorrief). Die größte Album-Veröffentlichung der Musikgeschichte stellt sogar den Rapper Jay-Z in den Schatten, der sein letztes Werk per Handy-App eine Million Mal an Apples Konkurrenten Samsung verkauft hatte.

Die Amerikaner setzen nun auf eine Kooperation mit einer Gruppe, die als größte Stadionrockband der Welt gilt, deren letztes wirklich gutes Album aber schon 23 Jahre zurückliegt („Achtung Baby“). Auch auf der von Danger Mouse produzierten CD „Songs Of Innocence“ erfindet sich das 1976 in Dublin gegründete Quartett nicht neu. Am besten sind U2, wenn sie wie ihre Nachfolger klingen - also wie The Killers („California“), Coldplay („Every Breaking Waves“) oder Franz Ferdinand („Vulcano“). Die Gitarre von The Edge ist immer noch ebenso unverkennbar wie das „Ooooo-ooh-ooh-ooooh von Bono, der die abschließende Ballade „The Troubles“ mit der Schwedin Lykke Li singt.

Das Eröffnungsstück hat der Frontmann dem 2001 gestorbenen Ramones-Sänger Joey Ramone gewidmet, weil erst der ihn überzeugt habe, dass es okay sei, wie ein Mädchen zu singen. Der Mitbegründer des Punk wird sich nun womöglich im Grab umdrehen, wenn mit seinem Namen iPhones verkauft werden. Demnächst startet eine teure Apple-Kampagne mit dem Song.

Wie viel sich der Konzern den Deal hat kosten lassen, ist nicht bekannt. Einen Tipp für die nächste Werbeaktion hat Apple aber schon per Twitter erhalten, wo ein Fan vorschlug: „U2-Album ab 699 Euro und gratis iPhones für alle!“

U2: Songs Of Innocence (Bis zum 14. Oktober kostenlos bei iTunes). Wertung: drei von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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