Neu im Kino: Paul W. S. Anderson lässt „Die drei Musketiere“ in 3D untergehen

Nur Action reicht nicht

Seltsam blasse Helden: D’Artagnan (Logan Lerman, Zweiter von rechts) und seine drei Kampfgefährten (von links) Porthos (Ray Stevenson), Athos (Matthew Macfayden) und Aramis (Luke Evans). Fotos: Constantin

Alexandre Dumas’ Roman „Die drei Musketiere“ gehört zu den ergiebigsten Literaturvorlagen der Filmgeschichte. Nun versuchen sich Regisseur Paul W. S. Anderson und die deutsche Produktionsfirma Constantin an einer radikalen Neuauflage des Klassikers. Was „Fluch der Karibik“ für den Piratenfilm war, will dieser Film für das Mantel-und-Degen-Genre sein.

Aber leider lässt Anderson („Resident Evil“) die notwendige Liebe zum Genre vermissen und fährt mit der Dampfwalze des digitalisierten Action-Kinos über die altbewährte Geschichte des jungen Bauernsohnes, der sich aus der Gascogne nach Paris aufmacht, um als Musketier in den Dienst des viel zu jungen Louis XIII. zu treten.

Für die Rolle des jugendlichen Draufgängers D’Artagnan verfügt Hollywood-Newcomer Logan Lerman („Percy Jackson“) über zu wenig Charisma. Auch die anderen drei Kampfgefährten und Orlando Bloom als Lord Buckingham bleiben seltsam blass. Einzig Christoph Waltz als Kardinal Richelieu ragt in bewährt durchtriebener Manier aus dem schauspielerischen Mittelmaß heraus.

Viel Zeit zur Figurencharakterisierung bleibt ohnehin nicht in diesem Film, der eine Actionszene an die andere reiht. Hier ist Anderson in seinem Element, lässt die Musketiere in einer klassischen James-Bond-Eröffnung die Schatzkammer Leonardo da Vincis in Venedig plündern, wo die Musketiere sich als moderne Martial-Arts-Kämpfer profilieren und mit Sprengsätzen den Palazzo fluten.

Auch im weiteren Verlauf orientiert sich der Film eher an US-Blockbustern wie „Das Vermächtnis der Tempelritter“ als an den Genre-Vorlagen. Gerade jedoch die digitalen Effekte, mit denen der Film protzt, können mit den derzeitigen Standards nicht mithalten.

Die historischen Ansichten von Paris, die hineingepixelt wurden, verbinden sich nicht mit den Realkulissen der Bamberger Altstadt und der Alten Mainbrücke in Würzburg. Alles sieht aus wie eine unausgegorene Mischung aus Mittelalter-spektakel und Videospiel. Trotz all der schicken bayrischen Schlösser und Mila Jovovichs teuren Rüschenkostümen fehlt Andersons 3D-Relaunch jegliche Eleganz in Wort und Bild.

Genre: Actionfilm

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!:::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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