Adam Szymczyk möchte auf documenta 14 den Gurlitt-Nachlass zeigen

Aus der Sammlung Gurlitt: Bilder, die die Staatsanwaltschaft Augsburg veröffentlicht hatte. Foto: dpa

Kassel. Der künstlerische Leiter der documenta 14, Adam Szymczyk (45), will die mehr als 1500 Kunstwerke aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt im Jahr 2017 auf der documenta 14 in Kassel zeigen.

Das sagte er in einem Interview der Süddeutschen Zeitung. Er würde die Sammlung gern in der Kasseler Neuen Galerie präsentieren, weil sie bisher nie gezeigt wurde und gesehen werden sollte. Die documenta sei eine Ausstellung zu zeitgenössischen Themen, nicht nur von zeitgenössischer Kunst.

Die Sammlung Gurlitt sei „neben der Skandalisierung für viele Kunst-Diskurse der vergangenen Jahre bestimmend“ gewesen. Arnold Bodes erste documenta 1955 habe Werke von Künstlern gezeigt, die von der Familie Gurlitt zur gleichen Zeit „verlagert und dem öffentlichen Blick entzogen wurden“.

Adam Szymczyk Foto: Fischer/nh

Die Präsentation auf der documenta würde die Gurlitt-Sammlung Szymczyk zufolge in einen größeren Kontext stellen. Es gehe ihm nicht darum, Highlights zu inszenieren, „sondern die Gesamtheit des Nachlasses in einer stillen Weise zu zeigen.“ Er wolle sich um jene Werke als Leihgaben bemühen, die jetzt ihren Besitzern zurückgegeben werden.

Ob sich Szymczyks Pläne realisieren lassen, ist allerdings noch unklar. Der Direktor des Berner Kunstmuseums, Matthias Frehner, habe Interesse an der Idee gezeigt, es gebe aber Vorbehalte im Stiftungsrat. Die Werke, deren Eigentümer derzeit ermittelt werden, dürften laut Nachlassgericht nur zum Zweck gezeigt werden, um den Berechtigten die Möglichkeit zu geben, ihre Ansprüche geltend zu machen. „Das wäre bei einer documenta genau der Fall“, sagte Szymczyk.

Hintergrund: Die Gurlitt-Sammlung

Die Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt (1932-2014) umfasst mehr als 1500 Werke, darunter Bilder von Beckmann, Chagall, Klee, Picasso und andere Meistern der klassischen Moderne, die Gurlitt von seinem Vater, dem Nazi-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, geerbt hatte. Die Existenz der Sammlung war unbekannt, bis die Staatsanwaltschaft Augsburg 2012 einen Großteil der Sammlung im Zuge einer Steuerfahndung in Gurlitts Münchner Wohnung beschlagnahmte. Weitere Werke wurden in Gurlitts Salzburger Haus gefunden. In seinem Testament vermachte Gurlitt, der 2014 starb, die Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Bei einigen hundert Werken handelt es sich möglicherweise um Raubkunst. Diese Bilder bleiben zur Klärung zunächst in Deutschland. (w.f.)

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