Adventskalender für die Kunst in der

Intim: Ann Schomburg, „The idling boys“. Foto: Galerie Coucou

Kassel. Ein kleiner Adventskalender hängt an der Wand, daneben das Schreiben der in Hamburg lebenden Künstlerin Tomoko Goto. Zum zweiten Mal hat sie sich für die Galerie Coucou verpflichtet, Adventspost zu verschicken.

Jeden Tag bis Heiligabend zeichnet Goto ein postkartengroßes Bild: Man kann sich selbst beschenken oder die Adresse eines Freundes angeben. Eine kleine, feine Idee, mit der die Galerie aufwartet. Das könnte zur Tradition werden, die Überraschung ist immer inklusive.

Wieder überzeugt Coucou mit einer Gruppenausstellung unter dem Titel „Samowar - Kunst, Tee und Sensationen“, die Positionen im Spektrum von Malerei, Fotografie, Installation und medialer Arbeit in einer Art Experimentierlabor zeigt. 13 Künstler, viele davon Meisterschüler oder Absolventen der Kasseler Kunsthochschule, zeigen fantasiereiche Präsentationen und stellen den Anspruch konzeptueller Vielfalt des Initiators Milen Krastev eindrucksvoll unter Beweis. Nicht umsonst wird die seit 2008 bestehende Galerie am Sonntag mit dem Kasseler Kulturförderpreis ausgezeichnet.

Die auf Silbergelatinepapier abgezogene Schwarz-Weiß-Fotoserie von Milen Miltchev lässt verschwommene Erinnerungen an Kasseler Architektur lebendig werden, eine Arbeit, die durch Subtilität und Poesie besticht. MartinaFischer13 faltet Geldscheine zusammen, spießt sie wie Schmetterlinge in einem Herbarium-ähnlichen Objekt auf und wirft die aktuelle Frage nach Kapital und Krise auf.

Veit Stratmanns Stahlmodule, in zahlreichen deutschen Museen zu sehen, beziehen den Betrachter als Objekt in die Arbeit ein. Auch Johannes von Stenglin setzt auf dieses Wechselspiel: Mit feinem, akribischem Strich hält er auf seiner Zeichnung einen Mann fest, der wie durch eine Glasscheibe direkt auf den vor dem Werk Stehenden schaut - Blickkontakt. Ann Schomburg jongliert mit Wahrheit und Wirklichkeit, wenn sie nackte Männerkörper mit Kosmetikutensilien bemalt, mit dem Smartphone fotografiert und am Computer bearbeitet. Ex-Partner seien das, sagt sie und rückt so das Intime ins Öffentliche, kehrt überkommene Geschlechterzuweisungen um.

Werner-Hilpert-Straße 8, bis 22.12. Mi bis Sa 17-20 Uhr und n. V., info@coucou.com oder Tel. 0170/9699897

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