Die Aeronauten in Kassel: Musiker wie alte Freunde

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Noch so agil wie vor vor 14 Jahren: Die Aeronauten mit Roman Bergamin (Trompete), im Hintergrund (von links): Daniel D’Aujourd’hui (Schlagzeug), Hipp Mathis (Bass) und Oliver Maurmann (Gesang, Gitarre). 

Kassel. Es muss 1998 gewesen sein, dass die Aeronauten das letzte Mal zu Gast im A.R.M. in Kassel gewesen sind. Das Album „Honolulu“ und die zugehörige Single „Freundin“ waren damals aktuell.

Die Musiker sind älter geworden, die Haare grauer und die Hüften breiter. Leider ist aber auch die Anzahl der Zuschauer weniger geworden. War das A.R.M. seinerzeit nahezu ausverkauft, verirren sich heutzutage noch 50 Leute in die Katakomben des ehemaligen Weinkellers. Von ihrer Sympathie hat die sechsköpfige Schweizer Band aber keinen Deut eingebüßt.

Sänger Oliver Maurmann, der auch also Solokünstler GUZ auftritt, begeistert durch seine raue tiefe Stimme, und man möchte ihn wie einen alten Freund in den Arm nehmen, weil er so wahre Worte von sich gibt, die sich leicht und spielerisch anhören, einem selbst aber so nie über die Lippen kommen würden. Beispiel: „Wenn man weiß, wie es sein muss, hat man’s im Leben schwer, wenn man weiß wie es sein muss, gibt der Rest nicht viel her.“

Geografisch hat er allerdings ein wenig Nachholbedarf. Das Publikum begrüßt er in der wunderschönen Stadt am Fluss, an der Kassel, bemerkt dann seinen Fehler und behauptet umgehend, dass er aus Schaffhausen an der Schaff stammt.

Der Schwerpunkt des eineinhalbstündigen Programms liegt auf Songs der aktuellen Doppel-CD „Too Big To Fail“. Musikalisch ist das eine Mischung aus Jazz-, Soul-, Ska- und Funkelementen, wofür vor allem die Bläserfraktion mit Trompete und Saxofon sorgt. Saxofonist Roger Greipl greift auch häufiger zum Gesangsmikrofon und gibt auf Spanisch Texte zum Besten, die an Bands wie Panteon Rococo erinnern, während sich der Leadsänger im Hintergrund hält.

Nach einer Stunde wird die Band mit viel Applaus zur ersten Zugabe auf die Bühne zurückgeholt, und die wird dem kürzlich verstorbenen Singer/Songwriter Nils Koppruch gewidmet.

Nach weiteren Zugaben wird der Klassiker „Freundin“ zum Abschluss gespielt, allerdings in einer Version, die auf der Melodie des „Police“-Stückes „Every Breath You Take“ basiert. Man fühlt sich wieder wie 1998: gut, jung, agil und denkt daran, die Nacht in der nachfolgend stattfindenden Disko durchzutanzen, merkt dann aber schnell ob der jungen Leute, die jetzt allmählich das A.R.M. aufsuchen, dass man doch den Heimweg antreten sollte.

Von Henning Beste

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