Die skandinavischen Bands Oddjob und Valravn sorgten für ein starkes Finale des Weltmusikfestivals

Ätzend, brodelnd und cool

Etwas für die Männer: Daniel Karlsson, Goran Kajfes und Per Johansson, die ihr aktuelles Album Clint Eastwood widmeten, im Kasseler Schlachthof. Foto: Koch

Kassel. Das waren noch Zeiten, als der Jazz richtig wild war. Wer bedauert, dass die heutige Jazzszene von Softies beherrscht wird, sollte sein Ohr einmal dem schwedischen Quintett Oddjob leihen, das an die rebellischen 60er- und 70er-Jahre anknüpft.

Die sogenannte elektrische Phase von Miles Davis bildet einen starken Bezugspunkt der grandiosen Fünferbande, für die Musikfachleute das treffende Etikett „retro-futuristisch“ ersonnen haben. Ätzende Klänge von den Keyboards und ein heftiges rhythmisches Gebrodel erfüllten das Kulturzentrum Schlachthof, wo die Schweden im Rahmen des Weltmusikfestivals gastierten - und im zweiten Konzertteil den fünfzig Zuhörern ihren neuesten CD-Streich vorstellten. Es ist ein gewitzter, ja genialer Schachzug. Denn die Formation, deren Musik man eine verwegen-maskuline Note nachsagen darf, widmet ihr aktuelles Album einer Ikone der Männlichkeit: Clint Eastwood.

Per „Ruskträsk“ Johansson (Saxofon, Bassklarinette, Percussion), Goran Kajfes (Trompete, Percussion), Peter Forss (Kontrabass, E-Bass), Janne Robertson (Drums) und Daniel Karlsson (Keyboards) hüllten Melodien aus Eastwood-Filmen in ein Konzept, das so ausgetüftelt wie spontan erschien und einem finsteren, coolen Trip glich, vielleicht für manchen etwas zu krachig und zu elektrisch.

Clint und Oddjob - das war starker Tobak, ein herrliches Gebräu. Mit einiger Ironie möchte man sagen: Auf uns, Männer!

Etwas martialisch mutet der Name der skandinavischen Band Valravn ja schon an. So ist Valravn der Name des „Raben der Toten“, der die getöteten Krieger auf dem Schlachtfeld verschlingt.

Auch wenn die skandinavische Band ihr Publikum am Freitagabend nicht verschlang, versetzte sie die Zuhörer im Kulturzentrum Schlachthof beim Finale des 13. Kasseler Weltmusikfestivals zumindest in beste Tanzlaune. Bei den lauten und ostinaten Sequenzerklängen von Christopher Juul und Percussionseinlagen von Juan Pino konnte schließlich niemand still auf den Beinen stehen bleiben.

Doch die dänische Band bot weitaus mehr als eine mitreißende Tanzmusik. So sorgten insbesondere Søren Hammerlund mit seiner Drehleier und Mandola sowie Martin Seeberg, der an diesem Abend neben gekonnten Violineinlagen auch die aus Irland bekannte Tin-Whistle spielte, für folkloristisch-mittelalterliche Momente.

Gekonnte Tanzeinlagen

Schade, dass Hammerlunds Mandola kaum zu hören war und in den lauten Beats unterging. Gut hörbar dagegen der schöne Gesang der Sängerin Anna Katrin Egilstrød. Neben gekonnten Tanzeinlagen beeindruckte die Sängerin von den Faröer-Inseln mit einem hohen Facettenreichtum in ihrer Stimme.

Märchenhaft waren an diesem Abend die Inhalte der Songtexte, die unter anderem von Elfen und Meermännern erzählten. Dabei passten gerade die folkloristischen Anklänge wunderbar zu den von Egilstrød besungenen Texten.

Das Publikum zeigte sich begeistert von den häufig tranceartigen und teilweise auch sphärisch anmutenden Songs und feierte Valravn mit stürmischem Beifall.

Von Georg Pepl und Sebastian Krämer

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